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6.5.2003 | Von:
Thomas Kieselbach
Gert Beelmann

Arbeitslosigkeit als Risiko sozialer Ausgrenzung bei Jugendlichen in Europa

VI. Forschungsausblick

Die Ergebnisse der YUSEDER-Studie verweisen darauf, dass Arbeitslosigkeit ein zentraler Risikofaktor für soziale Exklusion bei Jugendlichen ist. Langfristig wird damit die soziale Integration in die Gesellschaft gefährdet. Die Untersuchungen in den südeuropäischen Ländern und in Schweden untermauern die zentrale Funktion familiärer Unterstützung (sowohl finanziell als auch emotional) im Hinblick auf das Risiko des sozialen Ausschlusses jugendlicher Langzeitarbeitsloser. Auch die finanzielle Situation der Eltern hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Exklusionsrisiko jugendlicher Arbeitsloser.

Die Studien für Belgien und Deutschland zeigen, dass in diesen Ländern die Familie nicht zentral als soziale Unterstützungsinstanz gesehen wird. Die Ergebnisse beider Untersuchungen lassen vermuten, dass Jugendliche ihr allgemeines soziales Umfeld (Freunde und Bekannte) als wichtiger erachten als familiäre Hilfe. In Südeuropa könnten zunehmende Prozesse der Individualisierung ebenfalls zur Schwächung des Puffereffekts durch Familienunterstützung beitragen. In diesen Ländern sollte eine Verbesserung der institutionellen Unterstützung den Modernisierungseinflüssen entgegenwirken. Die Akzeptanz der Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen und die Verlängerung der familiären Abhängigkeit, einer Abhängigkeit, die nicht den Entwicklungsbedingungen von jungen Menschen entspricht, wie auch der größtenteils tolerierte Bereich irregulärer Beschäftigung beeinflussen massiv die individuellen Erfahrungen.

Zukünftig sollte sich sozialwissenschaftliche Forschung vermehrt mit den sich verändernden Beschäftigungsformen, deren Chancen und Gefährdungen auseinander setzen. Der Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt wird zunehmend stärker von bruchhaften Verläufen, der Notwendigkeit flexibler Anpassungsprozesse sowie der Schaffung von Brücken von der Qualifizierung in den Arbeitsmarkt gekennzeichnet sein.