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2.11.2005 | Von:
Dieter Weiss

Freiheit und Entwicklung in der arabischen Welt

Wissen - Die kritische Ressource

Die quantitative Expansion der Bildungssysteme hatte in den arabischen Ländern politische Priorität vor Qualität. Höhere Bildungseinrichtungen und insbesondere Universitäten werden scharf überwacht, weil sie potenzielle Orte einer kritischen Opposition und Kristallisationspunkte politischer Protestbewegungen sein könnten. Die autoritären Erziehungsstile sind wenig geeignet, unabhängiges Denken und Selbstvertrauen zu ermutigen. Intellektuelle Neugierde, kritisches Erforschen, Hinterfragen und individuelle Initiative werden unterdrückt.[10] Schule und Hochschule belohnen das Auswendiglernen unverstandener Stoffmassen ohne Problem- und Anwendungsbezug. Originelles Denken wird nicht gefördert. Doch ein Klima geistiger Freiheit ist die Voraussetzung für eine künftige arabische Wissensgesellschaft.

Inhaltlich geht es dabei vorrangig um Forschung in vitalen Überlebensbereichen der arabischen Region wie Klimaschutz, Desertifizierung, Wasserwirtschaft, urbane Ballungsprobleme, Umweltfragen, Solarenergie und Petrochemie.[11] Die Autoren der AHDR 02 und 03 fordern eine "kreative arabische Renaissance" auf fünf Pfeilern: 1. Gewährung elementarer Freiheiten und Good Governance; 2. Aufbau eines qualitativ hochstehenden Bildungssystems; 3. Etablierung leistungsfähiger Wissenschaftskapazitäten und ein Wertesystem, welches innovative Spitzenleistungen honoriert; 4. Umorientierung der Volkswirtschaften auf wissensbasierte, technologisch hochwertige Erzeugnisse; 5. Rückbesinnung auf das kulturelle Erbe der arabischen Blütezeit in Wissenschaften und Philosophie, die Unterstützung kultureller Vielfalt, die Öffnung gegenüber anderen Kulturen, die Erinnerung an das Konzept freier Urteilskraft bei der Interpretation religiöser Texte und die Bekämpfung des Missbrauchs des Islams für die Legitimierung autoritärer Regime.[12]


Fußnoten

10.
Vgl. AHDR 03 (Anm. 3), S. 3.
11.
Vgl. AHDR 02 (Anm. 3), S. 7 - 8.
12.
Vgl. AHDR 03 (Anm. 3), S. 163 - 173.