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2.11.2005 | Von:
Dieter Weiss

Freiheit und Entwicklung in der arabischen Welt

Zögernde Ansätze zu Good Governance

Die Umsetzung der Empfehlungen der AHDR 02 und 03 war enttäuschend. "Overall, there has been no significant easing of the human development crisis in the Arab region."[13] Fragmentarische Reformansätze "do not add up to a serious effort to dispel the prevailing environment of repression"[14]. Es wurde deutlich, dass ohne ernsthafte Demokratisierungsmaßnahmen keine adäquaten Entwicklungsimpulse freisetzbar sind. Deshalb wagte sich der Arab Human Development Report 2004 (AHDR 04) auf den zentralen Punkt vor: das arabische Demokratiedefizit, das Fehlen von Good Governance. Eine Reihe arabischer Konferenzen zur Reformproblematik lieferte jedoch eher Lippenbekenntnisse zur amerikanischen Demokratisierungsagenda als konkrete Maßnahmen.[15]

Immerhin erklärte der Kronprinz von Dubai, Scheikh Mohammed bin Rashid al-Maktoum 2004 in einer Konferenz vor laufenden Kameras eines Fernsehsatellitensenders: "Ich sage meinen arabischen Brüdern an der Macht: Wenn ihr euch nicht ändert, dann werdet ihr verändert." Saudi-Arabien ließ erstmalig Kommunalwahlen zu. Massivere Reformanstöße gingen von zivilgesellschaftlichen Gruppen aus.[16]


Fußnoten

13.
UNDP/Arab Fund for Economic and Social Development/Arab Gulf Programme for United Nations Development Organizations, Arab Human Development Report 2004, Towards Freedom in the Arab World (AHDR 04), New York 2005, S. 8.
14.
Ebd.
15.
So veröffentlichte der Arabische Gipfel vom Mai 2004 die "Declaration on the Process of Reform and Modernisation" mit der Forderung nach "continuation and intensification of political, economic, social and educational change, initiatives that reflect the will and aspirations of Arabs" und insbesondere "to deepen the foundations of democracy and consultation and to broaden participation in political life and decision-making, in tandem with the rule of law, equality among citizens, respect for human rights, freedom of expression and (...) safeguards for the independence of the judiciary", AHDR 04 (Anm. 13), S. 5.
16.
Zivilgesellschaftliche Reforminitiativen organisierten u.a. die "Sana´a Declaration" auf der Grundlage der Regional Conference on Democracy, Human Rights and the Role of the International Criminal Court vom Januar 2004. Wichtig war auch die "Alexandria Charter" als Ergebnis einer Konferenz zivilgesellschaftlicher arabischer Organisationen zum Thema "Arab Reform Issues: Vision and Implementation" im März 2004. Wichtige Schritte erfolgten unter dem Druck von Nichtregierungsorganisationen in Marokko (Anerkennung von Menschenrechtsverletzungen durch die Regierung), in Bahrain (Forderung nach Entschädigung für die Familien von Gefolterten und Getöteten sowie nach Gerichtsverfahren gegen die Täter), in Syrien (Forderungen nach Aufhebung des Ausnahmezustandes) und die eingangs erwähnten Initiativen in Saudi-Arabien (Petitionen bezüglich persönlicher und politischer Freiheitsrechte für religiöse Minderheiten, Frauen, einer konstitutionellen Monarchie, freier Wahlen - mit Wahlrecht auch für Frauen -, öffentlicher Kontrolle der Staatsausgaben und einer Justizreform), AHDR 04 (Anm. 13), S. 5 - 8.