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5.9.2005 | Von:
Katharina Belwe

Editorial

Die in Deutschland wachsende soziale Kluft hat zu Reaktionen sowohl von Seiten der Politik als auch der Wissenschaft geführt. Im Mittelpunkt der Diskussion steht der neue Begriff der Teilhabegerechtigkeit.

Im zweiten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung vom Frühjahr 2005 werden Armut und Reichtum als Pole auf einer Skala von Teilhabe- und Verwirklichungschancen in der Gesellschaft definiert. Diese beiden Pole driften in Deutschland auseinander: Das derzeitige Rekordvermögen deutscher Privathaushalte von fünf Billionen Euro gehört beinahe zur Hälfte dem reichsten Zehntel der Haushalte. Demgegenüber entfallen nur knapp vier Prozent der Geld- und Sachwerte auf die ärmere Hälfte der Haushalte. Hinzu kommt, dass der Anteil der Personen in den untersten Einkommensklassen wächst: Die Kluft zwischen Arm und Reich vertieft sich, die Ungleichheit der Lebensbedingungen nimmt zu.

Ungleichheit ist jedoch nicht zwangsläufig mit Ungerechtigkeit gleichzusetzen. Gerechtigkeit ist kein Synonym für Gleichheit, wenngleich beide Begriffe eng miteinander verknüpft sind. Während sich Gleichheit respektive Ungleichheit an der Verteilung von materiellen und symbolischen Ressourcen orientiert, bezieht sich Gerechtigkeit auf die Idee vom Recht. Der Grad der Gleichheit bzw. Ungleichheit lässt sich messen, indem bestehende Unterschiede ermittelt werden. Gerechtigkeit bzw. Ungerechtigkeit sind demgegenüber vergleichsweise schwer zu evaluieren, geht es doch darum, Erklärungen für diese Unterschiede zu suchen. Und diese "Theorien der Gerechtigkeit" differieren je nach politischem Standort.

Die in Deutschland wachsende soziale Kluft hat zu Reaktionen sowohl von Seiten der Politik als auch der Wissenschaft geführt. Im Mittelpunkt der Diskussion steht der neue Begriff der Teilhabegerechtigkeit.