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5.9.2005 | Von:
Rudolf Tippelt
Aiga von Hippel

Weiterbildung: Chancenausgleich und soziale Heterogenität

Soziodemographische Unterschiede in der Weiterbildungsbeteiligung

Die Weiterbildungsteilnahme wird u.a. durch motivationale, soziodemographische und kontextbezogene Faktoren beeinflusst.[28] Zentrale Einflussfaktoren sind die soziodemographischen Merkmale Alter, Schul- und Berufsbildung, Erwerbstätigkeit, berufliche Stellung, Geschlecht und Nationalität sowie regionale Aspekte.[29]

Für die Teilnahme an allgemeiner Weiterbildung ist das Alter der stärkste Einflussfaktor. Über 50-Jährige (ausgenommen Akademiker) weisen geringere Teilnahmequoten auf als Jüngere. Zweitstärkster Einflussfaktor ist bei den über 60-Jährigen die Berufsbildung, bei der mittleren Altersgruppe das Haushaltseinkommen und bei den 18- bis 24-Jährigen das Geschlecht. Entsprechend dem so genannten "Matthäus-Prinzip" ("Wer hat, dem wird gegeben") nimmt mit steigender Schul-/Berufsbildung die Beteiligung an allgemeiner und beruflicher Weiterbildung zu.[30] Außerdem beteiligen sich Personen mit höherem Haushaltseinkommen öfter an beruflicher und allgemeiner Weiterbildung.[31] Die Geschlechterdifferenz in der Weiterbildungsbeteiligung hat sich in den letzten drei Jahrzehnten weiter verringert. Frauen nehmen allerdings etwas häufiger als Männer an allgemeiner und seltener an beruflicher Weiterbildung teil.

Die Teilnahme an beruflicher Weiterbildung wird am stärksten durch das Merkmal Erwerbsbeteiligung beeinflusst. Als zweitstärkster Einflussfaktor ist bei Vollzeitbeschäftigten die Betriebsgröße, bei Teilzeitbeschäftigten das Haushaltseinkommen und bei Nicht-Erwerbstätigen die Berufsbildung zu nennen.[32] Erwerbstätige nehmen häufiger an Weiterbildung teil als Nicht-Erwerbstätige, Angestellte und Beamte häufiger als un- und angelernte Arbeitskräfte.

Neben den genannten soziodemographischen Faktoren zählen auch motivationale Aspekte - die wiederum eng mit soziokulturellen Faktoren zusammenhängen - zu den Weiterbildungsbarrieren. Solche Barrieren sind beispielsweise fehlende Nutzenerwartungen, negative Lernerfahrungen und die Angst vor Misserfolg.[33] Diese Weiterbildungsbarrieren werden von Personen mit niedriger Schulbildung häufiger genannt als von Personen mit Abitur.

Betrachtet man die oben dargestellten gruppenspezifischen Unterschiede, so wird deutlich, dass das Erreichen und die soziale Integration bildungsfernerer Zielgruppen eine Herausforderung für die Weiterbildung bleibt.


Fußnoten

28.
Vgl. Heiner Barz/Rudolf Tippelt (Hrsg.), Weiterbildung und soziale Milieus in Deutschland. Band 2 - Adressaten- und Milieuforschung zu Weiterbildungsverhalten und -interessen, Bielefeld 2004, S. 33.
29.
Vgl. BMBF (Anm. 17), S. 25ff.
30.
Vgl. ebd., S. 30.
31.
Vgl. H. Barz/R. Tippelt (Anm. 28), S. 84.
32.
Vgl. ebd., S. 81ff.
33.
Vgl. ebd., S. 38.