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5.9.2005 | Von:
Rudolf Tippelt
Aiga von Hippel

Weiterbildung: Chancenausgleich und soziale Heterogenität

Möglichkeiten des Chancenausgleichs durch milieuorientierte Angebote?!

Wie kann Weiterbildung eventuell dennoch kompensierend und chancenausgleichend wirken? Eine Antwort darauf könnte eine erhöhte Teilnehmer- und Zielgruppenorientierung - das Eingehen auf pluralisierte Wünsche und Erwartungen der verschiedenen Milieus - sein. Differenzierte Planungen auf den Handlungsebenen der Mikro- (Lehren und Lernen) und Makrodidaktik (Programmplanung) ermöglichen unterschiedliche Anspracheformen für verschiedene Zielgruppen. Das Modell der sozialen Milieus mit seiner genauen Beschreibung der Weiterbildungsinteressen und -barrieren der einzelnen Milieus unterstützt ein differenziertes Zielgruppenmarketing.[50]

Das konkrete Wissen über Weiterbildungseinstellungen und -verhalten von benachteiligten, bildungsfernen Milieus kann dazu beitragen, Weiterbildungsangebote auf diese Zielgruppen passgenauer zuzuschneiden. Es ist erforderlich, bei der Planung die unterschiedlichen Nutzenerwartungen und Lernvoraussetzungen in den Milieus mit einzubeziehen. Konsum-Materialisten brauchen beispielsweise andere pädagogische Unterstützung beim eigeninitiierten Lernen (das in der Wissensgesellschaft besonders wichtig ist) als Moderne Performer oder Postmaterielle, die dem Leitbild des Selbstlernens eher entsprechen. Angehörige unterschiedlicher sozialer Milieus haben unterschiedliche Ansprüche beispielsweise an Lernmethoden, Räumlichkeiten und Dozenten. Die Planung von medialen Angeboten in der Erwachsenenbildung sollte auch ästhetische Stile als didaktische Elemente einbeziehen,[51] da in verschiedenen sozialen Milieus unterschiedliche Präferenzen für verschiedene Medienformen vorherrschend sind.

Neben der Aufgabe, soziale Milieus und hierbei auch bildungsferne Gruppen spezifisch anzusprechen, bleibt jedoch auch die spannende Herausforderung an die Weiterbildung, milieuübergreifende Erfahrungsräume anzubieten. Wenn es gelingt, Themen und Formate zu finden, die mehrere Milieus ansprechen, ist dies als ein besonderer Beitrag der Weiterbildung zu sehen, die soziale Integration und kulturelle Partizipation in der Gesellschaft zu fördern.


Fußnoten

50.
Vgl. H. Barz/R. Tippelt (Anm. 14).
51.
Vgl. auch Manuela Pietraß/Bernhard Schmidt/Rudolf Tippelt, Informelles Lernen und Medienbildung, in: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, (2005) (i.E.).