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5.7.2005 | Von:
Wolfgang Hein

Vom Entwicklungsstaat zum Staatsverfall

Der Entwicklungsstaat der Nachkriegszeit weckte Erwartungen, die er selten erfüllen konnte. In armen Ländern zerstörten dann neoliberale Strategien häufig auch die wenigen positiven Ansätze.

Einleitung

Der aktuelle Diskurs über Staatsverfall, fragile oder prekäre Staatlichkeit geht davon aus, dass moderne Nationalstaatlichkeit die generelle Norm der politischen Organisation eines Territoriums darstellt. Dies setzte sich weitgehend mit dem Prozess der Dekolonisierung und mit der Dominanz modernisierungsorientierter Konzepte von Entwicklungszusammenarbeit und Entwicklungspolitik in der Nachkriegszeit durch.

Die Entwicklung nationalstaatlicher Strukturen war zunächst einmal eine Voraussetzung für die Akzeptanz der politischen Unabhängigkeit eines postkolonialen Nationalstaats und seine Eingliederung in eine vom westfälischen Modell internationaler Beziehungen geprägte Weltgemeinschaft.[1] Die Stabilisierung und Ausdifferenzierung staatlicher Strukturen wurde als Grundlage von Modernisierungsprozessen in "traditionellen Gesellschaften" gesehen. Vereinfachend kann man sagen, dass bis in die siebziger Jahre hinein "Staatlichkeit" auch dort, wo sie objektiv "fragil" war, nicht als "prekär", sondern als "in Entwicklung" betrachtet wurde.


Fußnoten

1.
Vgl. u.a. Reinhart Kößler, Postkoloniale Staaten. Elemente eines Bezugsrahmens, Hamburg 1994.