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30.6.2005 | Von:
Katharina Belwe

Editorial

Kluge Migrationspolitik kann wirkungsvoller sein als traditionelle Entwicklungspolitik. Auf dieser Erkenntnis basiert die Forderung nach einer Verknüpfung beider Politikfelder.

Migration wird in der Öffentlichkeit häufig mit Einwanderung gleichgesetzt, positive Aspekte werden kaum wahrgenommen, ein möglicher ökonomischer Nutzen nahezu gänzlich aus der Diskussion ausgeklammert. Dass Migration zu einer Entwicklung (nicht nur) in den Herkunftsländern der Einwanderer führen kann, wird bislang kaum in Erwägung gezogen. Dabei gibt es interessante Beispiele, die belegen, dass kluge Migrationspolitik wirkungsvoller sein kann als traditionelle Entwicklungspolitik. Die Forderung nach einer Verknüpfung beider Politikfelder scheint vor diesem Hintergrund konsequent.

Die USA profitieren von ihrer relativ offenen Migrationspolitik, Länder wie Indien, China, Taiwan und Vietnam von der späteren Rückwanderung der Migrantinnen und Migranten. So basierte etwa die erfolgreiche Entwicklung der IT-Branche in Kalifornien zum großen Teil auf der Einwanderung von Fachkräften aus Indien. Rückwanderung hat dort später eine große Dynamik dieses Sektors mit weltweiter Ausstrahlung bewirkt.

Auch Deutschland hat die Erfahrung gemacht, dass mit Migration Vorteile verbunden sein können: für das aufnehmende wie für das Entsendeland. Dies lässt sich am Beispiel der Green Card zeigen, welche die Aufnahme ausländischer IT-Spezialisten aus Nicht-EU-Ländern für insgesamt fünf Jahre regelt. Mit diesem Instrument ist in Deutschland ein Paradigmenwechsel der Migrations- und Entwicklungspolitik eingeleitet worden, der nicht zuletzt in der Verabschiedung des Zuwanderungsgesetzes zum Ausdruck kommt. Die Einführung der Green Card fällt mit einer vorsichtigen Änderung der einwanderungspolitischen Praxis und mit der Modifizierung entwicklungspolitischer Grundsätze zusammen. Die Frage, wie Deutschland ähnlich den USA von Migration profitieren könnte, wird hierzulande allerdings noch viel zu selten gestellt.