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23.5.2005 | Von:
Klaus Hüfner

Das System der Vereinten Nationen

Spezialorgane der Vereinten Nationen

Bei den Spezialorganen handelt es sich um Nebenorgane der Generalversammlung, die von ihr zur Wahrnehmung spezieller Tätigkeiten eingesetzt werden. Ihre Zahl ist vor allem in den sechziger Jahren bedeutend angewachsen und überstieg Anfang der siebziger Jahre deutlich die Zahl der Sonderorganisationen. Größtenteils handelt es sich um Institutionen zur Finanzierung und Durchführung von humanitären und entwicklungspolitischen Programmen sowie von Ausbildungs- und Forschungsaktivitäten (vgl. Abb. 1 der PDF-Version).

In der Entstehungsgeschichte der Spezialorgane spiegelt sich deutlich die Verlagerung des Schwergewichtes in der Tätigkeit der Generalversammlung und damit der Vereinten Nationen auf die wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Entwicklungsländer wider, die seit Ende der fünfziger Jahre in zunehmendem Maße unabhängig und Mitglieder der Vereinten Nationen wurden. Viele dieser Institutionen sollten eigentlich Sonderorganisationen werden, was vor allem auf den Widerstand der westlichen Industrieländer stieß. Im Unterschied zu den Sonderorganisationen der Vereinten Nationen verfügen die Spezialorgane weder über eine eigene völkerrechtliche Grundlage noch über eine eigene Rechtspersönlichkeit, zumindest aber über eine beschränkte Rechtsfähigkeit.

Oftmals werden die Spezialorgane auch als "quasi-autonome" Institutionen bezeichnet, da die Generalversammlung nur in wenigen Fällen diesen Organen ausdrücklich einen autonomen Status eingeräumt hat. In ihrem Handeln gegenüber Dritten werden die meisten Spezialorgane als autonome Institutionen tätig, die mit einem, meist aus Regierungsvertretern bestehenden politischen Steuerungsorgan und einem eigenen Sekretariat eine komplexe Organisationsstruktur aufweisen und ihre Aktivitäten durch freiwillige staatliche und in einigen Fällen (z.B. UNICEF) auch private Beiträge finanzieren. In diesem Finanzierungsmodus unterscheiden sich die Spezialorgane gegenüber den VN und den Sonderorganisationen. Sie besitzen keine entsprechende Haushaltsautonomie mit eigener Mitgliedschaft und Pflichtbeiträgen (in einigen Fällen werden die Verwaltungsausgaben vom VN-Haushalt getragen). Ihre "ökonomische" Bedeutung im VN-System darf jedoch nicht unterschätzt werden. Während 2003 die Pflichtbeiträge für die Sonderorganisationen (ohne Bretton-Woods-Institutionen) insgesamt 1,761 Mrd. US-Dollar betrugen, erreichten die Netto-Auszahlungen der Spezialorgane 3,467 Mrd. US-Dollar.