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4.4.2005 | Von:
Yfaat Weiss

Rückerstattung und Heimkehr

Die Überlebenden in der israelischen Gesellschaft

Diejenigen in Israel, die aus Deutschland Wiedergutmachungsleistungen erhielten, konnten ihren Status als minderbemittelte Neueinwanderer gegenüber den Alteingesessenen verbessern. Zwanzig Jahre zuvor waren es die deutschen Juden, die durch das Transferabkommen eine ähnliche Verbesserung ihrer Lage erreichten. Durch das Wiedergutmachungsabkommen stellte sich wie nach dem Transferabkommen eine wahrnehmbare Distanz zwischen deutschen und osteuropäischen Juden ein, weil Ersteren die Einwanderung nach Palästina unter günstigeren Bedingungen ermöglicht wurde.[16] Das Wiedergutmachungsabkommen von 1952 begünstigte Juden, die deutsche Staatsbürger waren, gegenüber anderen, nicht deutschstämmigen Überlebenden, die weniger anspruchsberechtigt waren. Es verstärkte damit innerhalb der israelischen Gesellschaft die Ungleichheiten von Juden aus Europa in der gleichen Weise, wie es das Transferabkommen tat.

Die Restitution von Eigentum oder die unvollständige Entschädigung umfasste einen zweifachen Rehabilitationsprozess. In der Beziehung von Opfer und Täter sah die Restitution von Eigentum die rückwirkende Anerkennung von Identität durch das Recht vor. In diesem Kontext symbolisierten materielle Objekte die Restitution von gesellschaftlicher Zugehörigkeit. Eine physische Rückkehr war nicht länger notwendig für die deutschen Juden, um ihren bürgerlichen Status als Deutsche zurückzuerhalten. Dies geschah durch die Anerkennung der Schuld und ihrer Kompensation.

Dieser Prozess bekam im Zufluchtsland Israel allerdings eine andere materielle und ideologische Bedeutung. In materieller Hinsicht führten die individuellen Entschädigungszahlungen zu einer relativen Besserstellung der durch den Nationalsozialismus Geschädigten, vor allen Dingen der deutschen Juden. Als Regel kann festgehalten werden, dass diejenigen, welche die individuellen Entschädigungsleistungen in Israel annahmen, dazu tendierten, einen beachtlichen Teil davon in Einrichtungsgegenstände für den persönlichen Gebrauch generell und in Eigentumswohnungen speziell zu investieren.[17] Diejenigen, denen es gelang, Bauland in den urbanen Zentren des Landes bzw. Wohnungen in den Zentren der Großstädte zu erwerben, stellten die ökonomische Zukunft der nachkommenden Generationen sicher.[18] Die personenbezogenen Entschädigungsleistungen vergrößerten ohne Zweifel die ethnische Kluft zwischen orientalischen und europäischen Juden in Israel, wo Eigentumswohnungen eine wichtige transgenerationelle Bedeutung einnehmen.[19] Damit wurden künftige soziale Unterschiede verstärkt.


Fußnoten

16.
Vgl. Yfaat Weiss, "Transfer Agreement" and the "Boycott Movement": A Jewish Dilemma at the Eve of the Holocaust, in: Yad Vashem Studies, 26 (1998), S. 129 - 171.
17.
Vgl. Michael Landsberger, Der Einfluss der persönlichen Wiedergutmachungszahlungen auf Konsum und Sparverhalten in Israel, Jerusalem 1969 [hebr.], S. 47 f.
18.
Vgl. Raul Teitelbaum, Die Bedeutung der Wiedergutmachung für die israelische Gesellschaft, Ms.
19.
Vgl. Noah Lewin-Epstein/Yuval Elmelech/Moshe Semyonov, Ethnic Inequality in Home Ownership and the Value of Housing: The Case of Immigrants in Israel, in: Social Forces, 75 (1997) 4, S. 1439 - 1462; Noah Lewin-Epstein/Moshe Semyonov, Migration, Ethnicity, and Inequality: Homeownership in Israel, in: Social Problems, 47 (2000) 3, S. 425 - 444.