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7.3.2005 | Von:
Dieter Senghaas

Wie den Frieden in Töne setzen?

In der klassischen Musik kommt die Friedensproblematik vielfältig zum Ausdruck. Das Spektrum der Kompositionen reicht von Frühwarnung bis zur Darstellung von Friedensvisionen.

Einleitung

Seit Jahrhunderten hat die Friedensproblematik, hier verstanden als die Probleme von Krieg und Frieden, bildende Künstler zu einer reichhaltigen Bilderwelt, der sogenannten Friedensikonographie, angeregt.[1] Noch reichhaltiger und vielfältiger sind die literarischen Zeugnisse, in denen, inhaltlich unschwer vermittelbar, die genannte Problematik in Romanen, Novellen, Lyrik und Schauspielen bearbeitet wurde. Wie aber figuriert politischer Frieden in der Musik? Insbesondere wertbeständige, eben als klassisch zu bezeichnende Musik gilt als gegenstandsloseste aller Künste, denn ihr Inhalt seien "tönend bewegte Formen", wie Eduard Hanslick 1854 in seinem berühmten und einflussreichen musikästhetischen Traktat Vom Musikalisch-Schönen schrieb. "Der Komponist dichtet und denkt. Nur dichtet und denkt er, entrückt aller gegenständlichen Realität, in Tönen", seiner "unübersetzbaren Ursprache", wie Hanslick betonte. Allein daraus, dass die Tondichter gezwungen sind, in Tönen zu denken, folge schon "die Inhaltlosigkeit der Tonkunst"[2]. Lassen sich also inhaltlich fixierte Vorstellungen der Friedensproblematik und von Frieden im Besonderen gar nicht in Töne setzen?





Fußnoten

1.
Vgl. Wolfgang Augustyn (Hrsg.), PAX. Beiträge zu Idee und Darstellung des Friedens, München 2003.
2.
Eduard Hanslick, Vom Musikalisch-Schönen, Wiesbaden 198921, S. 59, 172.