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7.3.2005 | Von:
Dieter Senghaas

Wie den Frieden in Töne setzen?

Erwartung des Friedens

In inhaltlichem Zusammenhang mit der Friedensfürbitte stehen auch Kompositionen, die mitten im Krieg der Friedenserwartung Ausdruck verliehen. Als 1940 die deutsche Wehrmacht in Frankreich einmarschierte, schrieb beispielsweise André Jolivet eine Messe pour le Jour de la Paix. Diese Messe beginnt mit einem depressiv eingestimmten "Alleluja" - ohne Hoffnungsschimmer, der natürlich angesichts der Ereignisse auch nicht aufscheinen kann. Im Laufe der Messe heitert sich diese trostlose Stimmungslage nur zögerlich auf. Doch am Ende wird noch einmal das "Alleluja" wiederholt, nunmehr von der Stimme geradewegs euphorisch vorgetragen: Trotz der aktuellen Erfahrung: Hoffnung ist möglich! - das war die Botschaft. Wiederum mitten im Krieg wurde die Sinfonie Nr. 5 (1943) des Engländers Ralph Vaughan Williams als Inbegriff der Zuversicht empfunden: dass trotz aller Zerstörung und allen Chaos' schließlich und endlich eine friedliche Ordnung obsiegen werde. Ähnliches wird auch von der Aufführung der Sinfonie Nr. 5 (1944/45) von Sergej Prokofjew berichtet. Diese Sinfonie begriff der Komponist als ein Dokument des Sieges über die Kräfte des Bösen. Nach Jahren des Krieges und noch im Kriege selbst sollte diese Komposition einen Durchblick auf Frieden vermitteln. Nicht erstaunlich, aber in der Rezeptionsgeschichte kaum beachtet ist die Tatsache, dass nicht nur die genannten Komponisten, sondern auch Arthur Honegger, Francis Poulenc, Harald Sæverud, Zoltán Kodály, Frank Martin, um nur die wichtigsten zu nennen, mit thematisch vergleichbaren Werken während des Zweiten Weltkriegs und oft unter extrem schwierigen Bedingungen, nämlich der Repression künstlerischer Arbeit in der Folge militärischer Niederlagen, zum Zeitgeschehen Stellung bezogen: das Schicksal ihrer von den Hitler-Truppen geknechteten Nationen beklagend und doch nicht, wie in ihren Werke dokumentiert, ohne Friedenshoffnung.