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7.3.2005 | Von:
Dieter Senghaas

Wie den Frieden in Töne setzen?

Dank-Kompositionen

Kam es zum Friedensschluss, so wurde dieser früher, vor allem wenn es sich um einen Sieg-Frieden handelte, mit Musik gefeiert. Das war die Stunde der Dankgesänge, der Anlass für "Te Deum"-Kompositionen: für Gotteslob zur Feier kriegerischer Erfolge. Besonders mit solchen Kompositionen prägte sich Georg Friedrich Händel in das Gedächtnis seiner Zeitgenossen und auch der Nachwelt ein, so vor allem mit seiner viel gespielten Feuerwerksmusik (1749), die im Anschluss an den Frieden von Aachen (1748) komponiert wurde. Marc-Antoine Charpentiers Te Deum (1692) war als jubilierende Reaktion auf einen französischen Sieg gedacht: "joyeux et très guerrier" sollte es aufgeführt werden! Heute ist das orchestrale Vorspiel dieser Komposition der Auftakt zu jeder Eurovisionssendung und hat darin seine Verewigung erfahren - ohne jegliche Erinnerung an kriegerische Siege, aber auch heute noch mit viel Pauken und Trompeten, den "kriegerischen" Instrumenten von einst, gespielt.

Anders als nach dem Dreißigjährigen Krieg waren nach der erneuten Weltkriegskatastrophe 1945 in den nachfolgenden Jahren "Jubel-Geschrey"-Kompositionen nicht mehr zu erwarten. Dennoch sind Musikwerke entstanden, in die in aller Regel rückblickend nicht nur die Kriegsleiden motivisch einflossen, sondern eben auch die nunmehr erneut mögliche Vision eines Friedens: Darius Milhauds Sinfonie Nr. 3 "Te Deum" (1946), Aaron Coplands Sinfonie Nr. 3 (1946), auch die ganz unter den Vorzeichen von Trauerarbeit sich vermittelnde Sinfonie Nr. 4 (1946) von Gian Francesco Malipiero wären hier beispielhaft zu nennen. Dmitrij Schostakowitsch entzog sich der Erwartung, das Ende des Krieges mit einer triumphalen Siegessinfonie zu krönen: Komik und Spott, Freude an der Parodie, Ausflüge ins Triviale prägen das Klangbild der Sinfonie Nr. 9 (1945) - zum Ärger der damaligen Kulturfunktionäre in Moskau.[8]


Fußnoten

8.
Vgl. Andreas Wehrmeyer, Musik über Krieg und Frieden. Die Siebente, Achte und Neunte Symphonie von Dmitrij Schostakowitsch, in: ebd., S. 147 - 165.