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16.2.2005 | Von:
Ursula Dallinger

Generationen-Gerechtigkeit – die Wahrnehmung in der Bevölkerung

Die Sicht der Bürgerinnen und Bürger

Die Gerechtigkeit sozialer Sicherungssysteme lässt sich von einer normativen, objektiven Position aus bewerten, etwa wenn man Ressourcenbilanzen für einzelne Kohorten vergleicht. Eine Bewertung kann auch ausgehend von den subjektiven Gerechtigkeitsurteilen der Bürger erfolgen. Das Bewertungsraster sind dann die in der Bevölkerung bzw. in einzelnen Gruppen vorhandenen Gerechtigkeitsideale, die nicht unbedingt mit gerechtigkeitstheoretisch abgeleiteten Gerechtigkeitsnormen übereinstimmen. Wenn hier dennoch die Urteile der Bürger zugrunde gelegt werden, dann lässt sich das mit deren Bedeutung für die Legitimität begründen: In Demokratien ist entscheidend, ob eine Mehrheit der Bürger die staatlichen Systeme, im konkreten Falle die Alterssicherung, akzeptiert. Die Forschungsergebnisse über die Akzeptanz der Alterssicherung gehen hier auseinander. Während die einen meinen, dass sich ungeachtet der öffentlichen Debatte um die fehlende "Generationengerechtigkeit" des deutschen Sozialstaats an der Akzeptanz der Rentenversicherung nichts verändert habe,[7] nehmen andere einProblem der Generationengerechtigkeit wahr.


Fußnoten

7.
Vgl. Martin Kohli, Von Solidarität zu Konflikt? Der Generationenvertrag und die Interessenorganisationen der Älteren, in: Günther Verheugen (Hrsg.), 60 plus: Die wachsende Macht der Älteren, Köln 1994; Karin Rinne/Gert Wagner, Droht ein "Krieg der Generationen"? Empirische Evidenz zur Zufriedenheit mit der sozialen Sicherung, in: Sozialer Fortschritt, 44 (1995), S. 288 - 295; Renate Köcher, Die Schimäre Generationengerechtigkeit. Eine Dokumentation des Beitrags in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Nr. 239 vom 15. Oktober 2003, Allensbach: Institut für Demoskopie, Allensbach (2003).