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19.3.2007 | Von:
Bodo Gemper

Ludwig Erhard revisited

Vorrang der Arbeit und Soziale Balance

"Vollbeschäftigung" ist daher "das erstrebenswerte Ziel" von Erhards Politik, das er im Herbst des Jahres 1955 "in vielen Wirtschafts- und Regionalbereichen" erstaunlich früh erreichte: Für das Jahrzehnt 1950 bis 1960 ist stetiger Rückgang der Arbeitslosigkeit kennzeichnend, lediglich durch die Rezession 1957/58 unterbrochen.[38]

Erhards Sozialverständnis von "der Rangordnung der Werte" in einer "sozialen Ordnung" bestimmte seine Politik, "die soziale Ausrichtung der Wirtschaftspolitik nicht nur zu einem Erfordernis, sondern auch zu einem Gebot macht," weil "Wirtschaft nicht als seelenloser Mechanismus zu begreifen ist, sondern sie von lebendigen Menschen mit höchst individuellen Wünschen und Vorstellungen getragen wird". Die effektive Methode der Selbstfinanzierung aus Gewinnen regt ihn an, "mit steigender Produktivität und wachsendem Volkseinkommen die Grundlagen der privaten Vermögensbildung" zu schaffen, um der "Beteiligung der einzelnen Schichten an einer wachsenden Vermögensbildung" willen. Es sollte eine "Atmosphäre des Vertrauens geschaffen werden", die glaubwürdig die berechtigten Interessen "aller sozialer Schichten" ausbalanciert.

Fußnoten

38.
Vgl. Herbert Giersch u.a., The Fading Miracle. Four decades of market economy in Germany, Cambridge-New York-Melbourne 1994, S. 10.