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19.3.2007 | Von:
Eckhard Hein
Achim Truger

Die deutsche Wirtschaftspolitik am Scheideweg

Geldpolitik

Durch die Europäische Währungsunion hat Deutschland 1999 den Status eines regionalen Leitwährungslandes im Europäischen Währungssystem und die damit verbundenen Zinsvorteile verloren. Da die Nominalzinsen sich seit 1999 angeglichen haben, die Inflationsrate in Deutschland jedoch unter dem Euroraum-Durchschnitt liegt, weist Deutschland mittlerweile sogar deutlich höhere Realzinsen als der Rest des Euroraums auf. Im Durchschnitt der Jahre 2001 bis 2005 bedeutete die Politik der EZB für Deutschland einen kurzfristigen Realzins von 1,2 Prozent, wohingegen er im Euroraum insgesamt nur bei 0,6 Prozent lag (vgl. Tabelle 4 der PDF-Version). Und während der kurzfristige Realzins im Euroraum im Zeitraum 2001 bis 2005 durchgehend positiv war, setzte die Federal Reserve in den USA einen negativen kurzfristigen Realzins von -0,2 Prozent durch. Diese expansive Geldpolitik trug zu der raschen Erholung der US-Ökonomie nach dem Wachstumseinbruch 2000/2001 bei. Die Differenz zwischen kurzfristigem Realzins und realem BIP-Wachstum, als Indikator für dieWachstumsfreundlichkeit der Geldpolitik, war im Durchschnitt der Jahre 2001 bis 2005 deutlich negativ. Die EZB hat sehr viel zögerlicher und weniger expansiv auf den Wachstumseinbruch reagiert, und dadurch zu dem schwachen Wachstum im Euroraum und insbesondere in Deutschland seit 2001 beigetragen. Während die Differenz zwischen kurzfristigem Realzins und realem BIP-Wachstum im Durchschnitt der Jahre 2001 bis 2005 im Euroraum immerhin noch leicht negativ war, blieb sie in Deutschland positiv.

Die deutsche Wirtschaft hatte also nicht nur unter dem mit der Währungsunion verbundenen Verlust des Zinsvorteils zu leiden, sondern war seit 1999 besonders von der wenig wachstumsfreundlichen Politik der EZB betroffen. Deutschlands schlechte "Performance" von 2001 bis 2005 kann jedoch nur zum Teil hierauf zurückgeführt werden, denn in einer Währungsunion kann die Geldpolitik nur die durchschnittliche Inflations- und BIP-Entwicklung berücksichtigen, aber nicht die besondere Situation eines einzelnen Landes.