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19.3.2007 | Von:
Heinz-J. Bontrup

Wettbewerb und Markt sind zu wenig

Die Marktverteilung ist ein Problem

Der Markt bzw. das Wettbewerbsprinzip haben aber nicht nur kein Herz, sie sind vor allen Dingen ohne staatliche Interventionen nicht in der Lage, das Problem externer Markteffekte (z.B. Umweltverschmutzung) und ein von Wirtschaftssubjekten praktiziertes nicht-marktgerechtes Verhalten ("moral hazard") durch eine entsprechende Kosteninternalisierung in das Preissystem zu lösen. Hierdurch kommt es regelmäßig zu Fehlallokationen.

Zu Recht verweist Hans-Jürgen Wagener, Leiter des Instituts für Transformationsstudien an der Universität Viadrina in Frankfurt/Oder darauf hin, dass nicht "Wettbewerb und Märkte", sondern "Begierde und Macht" die "Triebkräfte der Welt" sind. Dabei ist im Ergebnis die originäre Verteilung der Markteinkommen nie gerecht, allein schon wegen der bestehenden und eingesetzten Marktmacht nicht. Macht kommt hier im Austauschverhältnis zwischen Arbeitnehmern (Gewerkschaften) und Arbeitgebern (Arbeitgeberverbänden) an den Arbeitsmärkten genauso zum Einsatz wie bei den Unternehmen im Wettbewerb untereinander. Immer mehr entwickelt sich dabei die funktionale gesamtwirtschaftliche Verteilung des Volkseinkommens zwischen Arbeit und Kapital auseinander, wie es innerhalb der Schichten zu weiteren massiven Ungleichverteilungen der Einkommen kommt. Seit der Wiedervereinigung ist in Deutschland die Brutto-Lohnquote, also die funktionale Primärverteilung, von 72 auf 67 Prozent, um fünf Prozentpunkte bis 2005 zurückgegangen. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik sind im Jahr 2005 die Arbeitnehmerentgelte sogar nominal um 5,6 Mrd. Euro gesunken, was bedeutet, dass die Unternehmens- und Vermögenseinkommen stärker zugenommen haben als das gesamte Volkseinkommen.[5]

Auf Grund dieser Umverteilungen ist auch das private Netto-Geldvermögen auf über 2,5 Billionen Euro angewachsen (vier Billionen Euro Brutto-Geldvermögen minus Schulden von rund 1,5 Billionen Euro). Auf die reichsten zehn Prozent der privaten Haushalte entfällt dabei fast die Hälfte des gesamten Netto-Geldvermögens.[6] Die Umverteilung zu den Gewinn- und Vermögenseinkommen hat dabei in den letzten Jahren zu einer nachhaltigen Schwächung des privaten Verbrauchs geführt und für eine "gespaltene Konjunktur" gesorgt. Immer mehr ist in Deutschland die Binnennachfrage zurückgegangen, und das nur bescheidene Wirtschaftswachstum musste über Exportüberschüsse generiert werden. Zudem hat die Umverteilung natürlich auch die Wirkung, dass die Reichen immer reicher und deren Liquidität überreichlich wurde. Diese sucht in weltweit aufgeblähten Fonds nach Anlage und Gewinn. So sind Hedge-Fonds (auch als "Heuschrecken" oder als "Raider" - englisch "Räuber" - bezeichnet) inzwischen nicht nur an den meisten deutschen Top-Konzernen beteiligt. Man schätzt in Zukunft auch eine weitere starke Zunahme dieser durch spekulative Anlage auf maximale Profitrealisierung - selbst auf Kreditbasis - angelegten Fonds. Auch die Private Equity-Fonds, die nicht mit den Unternehmen Geld verdienen wollen, sondern an ihnen, haben seit dem ersten Halbjahr 2003 bis zum ersten Halbjahr 2005 für insgesamt knapp 50 Milliarden Euro deutsche Unternehmen aufgekauft oder sich an diesen beteiligt.[7] Besonders deutsche Wohnimmobilien sind bei den Private-Equity-Fonds zurzeit gefragt.

Fußnoten

5.
Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, Wiesbaden 2005, S. 8.
6.
Vgl. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht Juni/2005, S. 15 - 30.
7.
Vgl. Ernst & Young, German Private Equity Activity, June 2005, S. 4.