APUZ Dossier Bild

19.3.2007 | Von:
Heinz-J. Bontrup

Wettbewerb und Markt sind zu wenig

Wettbewerbsimmanente Fusionen

Völlig vernachlässigt bei der blinden Wettbewerbsgläubigkeit wird außerdem der Tatbestand eines gefährlichen wettbewerbsimmanenten Konzentrations- und Fusionsprozesses, der letztlich immer mehr Marktmacht entstehen lässt. "Die Neigung zum Monopol' entspringt der Grundnatur des kapitalistischen Erwerbes selbst. Das Prinzip der Rendite vollendet sich im Monopolgewinn; so wie sich der andauernde Krieg der Konkurrenz, der Hoffnung eines jeden der Streitenden nach in der Überwältigung der anderen erfüllt. Dem Verhältnis der freien Konkurrenz wohnt damit von allem Anfang an die Tendenz seiner Selbstaufhebung inne. (...) Kein Einzelwirtschaftler will das Verhältnis der Konkurrenz, dem er unterworfen ist. Freier Wettbewerb, mit allen Überraschungen, die er bietet, widerspricht einem allgemeinen und elementaren Bedürfnis erwerbswirtschaftlichen Handelns schon darin, dass er die Kalkulierbarkeit der Chancen sehr beschränkt."[11] Daher muss aus Unternehmersicht Wettbewerb ausgeschaltet werden. Entweder wird der zu schwache Grenzanbieter aus dem Markt gedrängt - in der Regel sind dies mittelständische Unternehmen -, oder Unternehmen werden "friedlich" oder "feindlich" aufgekauft und schließen sich zusammen, fusionieren. Auch sind Kartellvereinigungen denkbar, wenngleich rechtlich nicht legal, um dem unerwünschten Wettbewerb aus dem Wege zu gehen.

Letztlich wollen die Unternehmen dabei immer nur eins: maximale Gewinne. Schon 1776 schrieb Adam Smith: "Geschäftsleute des gleichen Gewerbes kommen selten, selbst zu Festen und zur Zerstreuung, zusammen, ohne dass das Gespräch in einer Verschwörung gegen die Öffentlichkeit endet oder irgendein Plan ausgeheckt wird, wie man die Preise erhöhen kann."[12] Marktmacht und Konzentration zerstören aber nicht nur das Wettbewerbsgefüge selbst. Gleichzeitig kommt es mit dem Ansteigen privatwirtschaftlicher Macht auch zu einer Unterminierung des in Demokratien einzig legitimierten Staats und seiner parlamentarisch erstrittenen Politik, die für alle Bürger eine Wohlstandsmehrung bereitstellen und ermöglichen soll und nicht nur die Partikularinteressen der Wirtschaft bzw. einer hier kleinen Machtelite zu vertreten hat.

Fußnoten

11.
Werner Hofmann, Die Wirtschaftsgesellschaft des 20. Jahrhunderts, in: Herbert Schui (Hrsg.), Monopol, Stagnation und Inflation, Heilbronn 1987, S. 47.
12.
Adam Smith (1776), Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations, in deutscher Übersetzung von Horst Claus Recktenwald, Der Wohlstand der Nationen, München 1974, S. 112.