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24.11.2008 | Von:
Rainer Geißler
Sonja Weber-Menges

Migrantenkinder im Bildungssystem: doppelt benachteiligt

Ethnische Konzentration

Nicht alle Nachteile der Migrantenkinder sind ausschließlich Folgen von Unterschichtung und Deutschdefiziten. Welche weiteren migrationsspezifischen Ursachen eine Rolle spielen, ist nur unzureichend geklärt. In Frage kommen sowohl schulische Faktoren - wie unzureichende Förderung, mehr oder weniger bewusste Diskriminierung oder hohe Migrantenanteile in Schulen und Klassen - als auch familiale Faktoren wie Einreisealter, Verweildauer von Kindern und Eltern in Deutschland, Rückkehrabsichten, Offenheit bzw. Abschottung gegenüber der deutschen Kultur und Gesellschaft. Quantitativ genauer ausgeleuchtet sind die folgenden Einflüsse: - Die Konzentration von Migrantenkindern in bestimmten Schulen bzw. Klassen wirkt sich offensichtlich in Hauptschulen und Grundschulen unterschiedlich aus: Während in den Hauptschulen die Leistungsentwicklung mit dem Anstieg des Migrantenanteils etwas gebremst wird,[25] gibt es in den Grundschulen erst bei extrem hohen Migrantenanteilen von über 80 Prozent Bremseffekte.[26] - Die Orientierung an der deutschen Kultur und Gesellschaft (Freundeskreise, Mediennutzung, Musikpräferenzen, Essgewohnheiten) begünstigt den Bildungserfolg.[27]

Fußnoten

25.
Vgl. Petra Stanat, Schulleistungen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, in: Jürgen Baumert u.a. (Hrsg.), Herkunftsbedingte Paritäten im Bildungswesen, Wiesbaden 2006, S. 189-219.
26.
Vgl. Hans Brügelmann, Schule verstehen und gestalten, Lengwil 2005, Kap. 26.
27.
Vgl. Felix Büchel/Gert Wagner, Soziale Differenzen der Bildungschancen in Westdeutschland, in: Wolfgang Zapf u. a. (Hrsg.), Lebenslagen im Wandel, Frankfurt/M. 1996, S. 92f.; Bernhard Nauck u. a., Intergenerationelle Transmission von kulturellem Kapital unter Migrationsbedingungen, in: Zeitschrift für Pädagogik, 44 (1998), S. 714f.