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24.11.2008 | Von:
Rainer Geißler
Sonja Weber-Menges

Migrantenkinder im Bildungssystem: doppelt benachteiligt

Deutsche Sprachkenntnisse

Was in den 1990er Jahren bereits bekannt war, wurde durch die PISA- und IGLU- Studien eindrucksvoll bestätigt: Die Kenntnisse der Unterrichts- und Verkehrssprache Deutsch spielen eine Schlüsselrolle bei Kompetenzerwerb und Bildungserfolg der Migrantenkinder.[22] Auf die Bedeutung der Leseleistung für die schichtspezifischen Leistungs- und Bildungsdefizite wurde bereits hingewiesen. Aber auch unter den migrationsspezifischen Ursachen, die unabhängig von der Schichtzugehörigkeit der Migranten wirken, kommt den Deutschkenntnissen eine herausragende Bedeutung zu.

36 bis 40 Prozent der Kompetenzunterschiede in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen zwischen statusgleichen Einheimischen und hier geborenen Migrantenjugendlichen hängen damit zusammen, ob in den Migrantenfamilien Deutsch gesprochen wird oder nicht. Und zugewanderte Migrantenjugendliche entwickeln sogar dieselben Kompetenzen wie statusgleiche Einheimische, wenn in ihren Familien Deutsch gesprochen wird (2006).[23] Auch bei den Grundschulempfehlungen für die Realschulen und Gymnasien sowie bei Klassenwiederholungen sind fast die Hälfte der Nachteile von statusgleichen Migrantenkindern auf deren unzureichende Deutschkenntnisse zurückzuführen. 15-Jährige mit Migrationshintergrund haben bei gleichem Sozialstatus und gleichen Deutschkenntnissen dagegen dieselben Chancen, eine Realschule oder ein Gymnasium zu besuchen wie die Einheimischen.[24]

Fußnoten

22.
Vgl. dazu insbes. H. Esser (Anm. 11).
23.
Vgl. O. Walter/P. Taskinen (Anm. 1), S. 349.
24.
Wilfried Bos u.a., IGLU, Münster u.a. 2004, S. 211; J. A. Krohne u.a. (Anm. 6), S. 388f.; J. Baumert/G. Schümer (Anm. 12), S. 374.