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14.11.2008 | Von:
Carsten Dams

Die Polizei in Deutschland 1945 - 1989

Der Polizei- und Sicherheitsapparat in der DDR

In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) hingegen gab es einen personellen Umbruch: Bis auf sehr wenige Ausnahmen wurden alle Beamten, die vor dem 8. Mai 1945 bei der Polizei waren, entlassen und durch Neulinge ohne entsprechenden Hintergrund und ohne polizeidienstliche Erfahrung ersetzt.[5] Hierdurch sank das professionelle Niveau der Polizei. In der SBZ entstanden lokale oder regionale Polizeieinheiten, die als Volkspolizei bezeichnet und relativ schnell unter zentrale Leitung gestellt wurden. Nach der Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 wurden die Einheiten der Volkspolizei dem neuen Innenministerium unterstellt. Mit der Auflösung der Länder im Jahr 1952 war die Polizei der DDR endgültig eine einheitlich ausgerichtete und zentral gelenkte Organisation. Im gleichen Jahr wurden aus den Einheiten der Volkspolizei, die bereits militärisch ausgebildet worden waren, die so genannte "Kasernierte Volkspolizei" (KVP). Aus dieser KVP entstand schließlich 1956 die Nationale Volksarmee der DDR.[6]

Sechs Jahre zuvor, im Februar 1950, war das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) eingerichtet worden. Begründet wurde dies mit angeblichen Sabotageakten der westlichen "Imperialisten"; in Wirklichkeit wollte die SED-Führung eine kommunistische Geheimpolizei nach sowjetischem Vorbild aufbauen. Der erste Minister für Staatssicherheit war der frühere sächsische Innenminister Wilhelm Zaisser. Erich Mielke wurde zunächst erster Staatssekretär im MfS und 1957 Zaissers Nachfolger. Dieses Amt hatte er bis 1989 inne. Das MfS wurde sehr rasch auf- und ausgebaut: 1953 hatte es bereits 10 000 hauptamtliche Mitarbeiter; am Ende der DDR waren es über 90 000, einschließlich des Wachregimentes und der hauptamtlichen inoffiziellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.[7] Obwohl das MfS im Verhältnis zur Einwohnerzahl die größte Geheimpolizei der Welt war, sah es sich nicht in der Lage, die DDR in ihren letzten Monaten zu stabilisieren. Die Dynamik des Reformprozesses in Osteuropa war zu groß, die innere Opposition in der DDR zu stark, und dem Staat drohte die massenhafte Abwanderung seiner Bürgerinnen und Bürger. Seinem eigenen Allmachtsanspruch wurde das MfS nicht gerecht. Hier zeigt sich die begrenzte Reichweite einer Geheimpolizei: Verliert der Staat drastisch an Legitimation, kann er mit polizeilichen Mitteln alleine kaum gerettet werden.

Auch die Volkspolizei, die von ihren Anfängen bis zum Jahr 1989 einen langen Weg zurückgelegt hatte, war dazu nicht in der Lage. Sie hatte durch den personellen Umbruch nach 1945 deutlich an Professionalität verloren und war erst nach etwa 15 bis 20 Jahren auf ein fachliches Niveau gelangt, welches mit anderen Ländern verglichen werden konnte. Dabei darf jedoch nicht übersehen werden, dass die Volkspolizei nicht nur eine "normale" Polizei zur Verkehrsregelung und zur Verbrechensbekämpfung war. Denn, darüber hinaus fungierte sie als ein integraler Teil des sozialistischen Herrschaftssystems und der SED-Diktatur.[8] Ohne die Volkspolizei hätte das System der DDR nicht funktionieren können.

Fußnoten

5.
Vgl. Richard Bessel, Polizei zwischen Krieg und Sozialismus. Die Anfänge der Volkspolizei nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Christian Jansen/Lutz Niethammer/Bernd Weisbrod (Hrsg.), Von der Aufgabe der Freiheit. Politische Verantwortung und bürgerliche Gesellschaft im 19. und 20. Jahrhundert, Festschrift für Hans Mommsen, Berlin 1995, S. 517 - 531.
6.
Vgl. Torsten Diedrich/Rüdiger Wenzke, Die getarnte Armee. Geschichte der Kasernierten Volkspolizei der DDR 1952 - 1956, Berlin 20032.
7.
Vgl. Jens Gieseke, Der Mielke-Konzern. Die Geschichte der Stasi 1945 - 1990, München 2006, S. 317.
8.
Thomas Lindenberger, Volkspolizei. Herrschaftspraxis und öffentliche Ordnung im SED-Staat 1952 - 1968, Köln-Weimar-Wien 2003.