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1.10.2008 | Von:
Wolfgang Bergmann

Theater im Fernsehen

In Zukunft elektronisches Volkstheater?

Eigentlich war Theater so nicht gemeint. Es war und ist für alle da. Jeder braucht es. Ohne Theater kann man nicht leben. Man hält das Leben sonst nicht aus. Und weil das so ist, wird sich ein neues Volkstheater mit weniger Ressentiments gegenüber den neuen Medien konstituieren. Insbesondere das Internet ist dabei zu entdecken und zu instrumentalisieren. Neue Erzählweisen eines Volkstheaters werden intermedial arbeiten. Es entstehen neue Erzählweisen, die sowohl auf der Bühne als auch auf der Straße, im Netz oder am Bildschirm spielerisch ansetzen, um das Publikum zu verführen, ihren Geschichten zu folgen. Ein Pionier wie Herbert Fritsch und sein Hamlet-X-Projekt setzt in Deutschland erste Marken. International ist man weiter (Kanada, Großbritannien).

Die Geschichte von Theater und Bildschirm beginnt gerade erst spannend zu werden. Übrigens auch und erst recht bezogen auf das Fernsehen: Die ausstehende Einführung der HD-Technik und die bereits weit verbreiteten Flachbildschirme und Soundsysteme kommen der Rezeption der guten alten Bühnenadaption entgegen. Plötzlich wird eine Bühnentotale möglich, verwandelt sich eine Opernabfilmung mittels heimischer Dolby-Surround-Technik zum sinnlichen Hochgenuss.

Es fragt sich auch, ob die Zurückhaltung bei den Fernsehneuproduktionen im Bereich der darstellenden Künste nicht gelockert werden muss, um dem lauter werdenden Ruf nach public value nachzukommen, nach dem öffentlich wahrnehmbaren, nichtkommerziellen Wert seiner für viele Gebührenmillionen erkauften Darbietungen. Die BBC öffnet inzwischen wieder ihre Hauptsendezeiten für so etwas wie Theaterfilme. Die weitere Diversifizierung des Fernsehmarktes wird die Verbreitung billiger, die Konkurrenz vielfältiger machen und damit den Kesseldruck für die Daseinsberechtigung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens erhöhen. Vielleicht sitzt man eines Tages auch bei ARD und ZDF wieder im Theater in der Ersten Reihe.