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2.9.2008 | Von:
Andrew B. Denison

Amerika kommt auf Deutschland zu - Essay

Die kombinierten Herausforderungen, die auf den nächsten amerikanischen Präsidenten zukommen, sind atlantisch geprägt. Deutschland täte gut daran, sich darauf vorzubereiten.

Einleitung

Was bedeutet es, wenn John McCain oder Barack Obama am 20. Januar 2009 ins Weiße Haus in Washington einziehen werden? Was bedeutet Amerikas Präsidentenwahl 2008 für Deutschlands Zukunft?






Eine nüchterne Lagebestimmung und Analyse der Handlungsoptionen sind für Deutschland wichtig. Für einen der einflussreichsten Staaten dieser Welt ist diese Analyse notwendig, um Frieden, Freiheit und Wohlstand für Deutsche sowie für andere zu fördern, aber ebenso, um die Gefährdung dieser hehren Ziele abzuwenden. Deutschland liegt inmitten einer wohlhabenden, friedlichen, sehr exponierten Halbinsel Eurasiens, mitten in einer Europäischen Union (EU) mit einer immer größeren, sehr instabilen Peripherie, in einer immer kleineren, sich immer schneller drehenden Welt. In dieser Welt muss Deutschland sich fragen: Ist Amerika schwach oder stark? Ist Amerika gut oder schlecht?

In welchen Punkten kann Deutschland mit Amerika, wo nur gegen Amerika agieren? Ist Demokratie Zukunft oder Vergangenheit? Ist die Welt multipolar oder atlantisch? Ist Deutschland Westen oder Osten? Ist Amerika einzubinden oder auszubalancieren? Ist eine amerikanische Weltordnung im Einklang mit einer europäischen Weltordnung zu organisieren - oder abzulehnen? Befremdlich und doch willkommen, ermutigend und doch verunsichernd; das politische Amerika wird die deutschen Gemüter im kommenden Jahr bewegen wie selten zuvor. Amerika kommt - wie eine Wetterfront - auf Deutschland zu.

Amerikanischer Wahlkampf ist spannend und schicksalhaft; in einer globalisierten Welt ist er immer von außenpolitischen Themen durchdrungen. Amerika in einer für Amerikaner viel versprechenden, doch sehr gefährlichen Welt ist ein Dauerbrenner im Wahlkampf - auch in Zeiten der heimischen Wirtschaftskrise. Die Ereignisse stürmen weiter auf Amerika ein: Iran reichert an; Russland greift an; Irak dauert an; Afghanistan heizt sich auf. Außenpolitik ist Pflicht, auch und gerade für Amerika. Vor allem ist es der geografische Gürtel rund um Europa, der Amerika ständig zu schwierigen Entscheidungen zwingt: Amerika, auch im Wahlkampffieber, sieht sich vor einem wachsenden Dilemma: mit wem - und gegen wen? Man kann die Chancen eines Machtwechsels in Washington herunterreden - nicht alles, was glänzt, ist Gold. Aber nur Zyniker würden es ablehnen, mit einer neuen Regierung nach neuen Partnerschaften zu suchen.