APUZ Dossier Bild

2.9.2008 | Von:
Jakob Schissler

US-Präsidenten: "Real Men" oder "Sissies"? Essay

Die Belastungsprobe für George W. Bush kam mit dem Kampf gegen den Terrorismus. Es kam ein einfaches Feindbild zum Tragen und eine Entscheidungsfindung, die auf Härte setzte.

Einleitung

Häufig werden die amerikanischen Präsidentschaften nach dem Stil der Amtsführungen beurteilt. Ob sie aktiv oder passiv, ob sie offen oder misstrauisch waren: Solche Typisierungen haben zwar nur begrenzte Aussagekraft, dennoch können sie eine wesentliche Seite amerikanischer Politik beleuchten. Keine Präsidentschaft nach der des Demokraten Franklin D. Roosevelt war privilegiertgenug, allein durch präsidentielle Entscheidungen der amerikanischen Gesellschaft oder der Geschichte ihren Stempel aufzudrücken. Auch Roosevelt konnte erst mit Beginn des Krieges eine konsistente Politik verfolgen, durch welche die USA sowohl zur Militär- als auch zur Wirtschaftsmacht von einzigartigem Rang in der Welt aufstiegen.






Präsident George W. Bush absolvierte die Harvard Business School mit dem Abschluss Master of Business Administration (MBA). Daher wäre zu vermuten, dass er als Präsident der Organisation einer Institution große Bedeutung beigemessen hätte. Im Bereich der Politik würde dies auch bedeuten, dass der Präsident als oberster Entscheidungsträger sehr genau die Policy-Vorschläge seiner Stäbe auf sich hätte einwirken lassen. Doch sein Führungsstil ging von ganz eigenen Prinzipien aus. Zudem entstand mit dem 11. September 2001 für ihn eine Situation, in der er sich erst sicher fühlte, wenn die Entscheidungen als Präsident seine Werte berücksichtigten. Diese bestehen vor allem aus stark moralischen Vorstellungen über Gerechtigkeit und Freiheit. Die Ebene der Moral wurde zusätzlich, in einer bestimmten Tradition der amerikanischen politischen Kultur stehend, durch religiöse Prinzipien gestützt. Im Global War on Terror hat Bush nicht nur nicht auf die CIA gehört, er versuchte vielmehr, den Sicherheitsdienst unter Druck zu setzen, damit dessen fact findings seinem Kriegsbild angepasst werden konnten. Bush führte nicht etwa in prägnanter Weise als MBA-Absolvent die Administration, vielmehr ist auffällig, dass er kaum auf die Sachkompetenz seiner Ministerien und Stäbe zurückgriff, dass er seinen Beraterkreis ungewöhnlich klein hielt und dass er versuchte, präsidentielle Entscheidungen aufgrund prinzipieller moralisch-religiöser Überzeugungen zu fällen. Vom Typus her handelte es sich um eine extrem misstrauische Präsidentschaft.

Um die Stile präsidentieller Politik in der Nachkriegszeit zu skizzieren, ist es vonnöten, in die Zeit von Roosevelts Präsidentschaft zurückzugehen. Als er im April 1945 starb, endete diese mit einer generellen Verunsicherung der Bevölkerung: Die USA standen zwar als überragende Weltmacht da, wussten aber nicht, wie sie diese einsetzen sollten. Die Koalition im Krieg gegen Deutschland verlor an Definitionsmacht. Vor allem der Partner in Osteuropa, die Sowjetunion, erschien plötzlich übermächtig und mit einer feindlichen Ideologie ausgerüstet, die auf Weltherrschaft zielte. Sollte die Welt kommunistisch werden? Sahen nicht auch die USA bereits ein bisschen sozialistisch aus? Wo waren die amerikanischen Werte von Freiheit, Marktwirtschaft und demokratischer Gewaltenteilung geblieben? Roosevelts Nachfolger Harry Truman verstand die Krise ähnlich wie seine Landsleute. Unter dem Einfluss des späteren Außenministers Dean Acheson entwickelte er eine andere Gangart gegenüber der Sowjetunion. Diese wurde nicht länger als Partner perzipiert, dem in gewisser Weise sein Kriegsgewinn in Osteuropa zustand, sondern als Gegner, dem man keinen Millimeter Boden mehr preisgeben durfte und dessen Ideologie man im Namen demokratischer Freiheiten scharf bekämpfen sollte.

Doch der Demokrat Truman und seine Administration standen auf verlorenem Posten. Die Republikanische Partei witterte Morgenluft. Lange genug hatte der New Deal Triumphe gefeiert; zuletzt als starke organisatorische Kraft, um den Krieg gegen Japan und das Deutsche Reich zu führen. Nun konnte man der Bevölkerung suggerieren, dass dies nicht nur eine erfolgreiche, sondern auch eine problematische Politik gewesen sei. Die Kampagne hatte System; die Furcht vor dem Kommunismus erwies sich als Wahlkampfschlager. 1946 gewannen die Republikaner für zwei Jahre die Mehrheit im Kongress. Ein selbstbewusster Kongress schmähte Präsident Truman als Versager.

In dieser Situation wollten Truman und Acheson mit Winston Churchills Hilfe (der britische Premierminister hatte den Begriff vom "Eisernen Vorhang" geprägt, der in Europa niedergegangen sei) und mit der Parteinahme gegen die Kommunisten im griechischen Bürgerkrieg die Meinungsführerschaft im weltweiten Kampf gegen den Kommunismus behalten. Aber es gelang Truman und seiner Administration nicht, die Legitimität des Personals aus der Zeit des New Deal zu erhalten. Insbesondere das Außenministerium wurde dem Verdacht ausgesetzt, heimlich mit dem Kommunismus konspiriert zu haben.

Abseits des McCarthyismus bleibt festzuhalten, dass die Republikanische Partei, die in den 1930er Jahren und im Weltkrieg zunehmend die Grundzüge des New Deal akzeptiert hatte, nun in neue Aggressivität verfiel. Die Menschen im Lande waren verängstigt, man deckte überall Verschwörungen und Landesverrat auf - leider auch tatsächliche. Eine neue Organisation der Verteidigung, das gemeinsame Verteidigungsministerium im Pentagon, wurde geschaffen und die Central Intelligence Agency (CIA) ins Leben gerufen, um überall im Ausland, offen und verdeckt, gegen den Weltkommunismus vorzugehen.