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24.7.2008 | Von:
Heinz Brill

Geopolitische Motive und Probleme des europäischen Einigungsprozesses

Europa - "Weltmacht im Werden"

Auf den ersten Blick scheint es paradox, in einer Zeit großer Europa-Skepsis die Frage nach der Führungsrolle des Kontinents in der Welt aufzuwerfen. Dennoch setzen sich die Experten der internationalen Akteure - nicht zuletzt aufgrund der permanenten Erweiterungsdiskussion - von Zeit zu Zeit mit Fragen auseinander wie: Kann die EU die Führungserwartungen erfüllen? Oder kann die EU gar zu einer Weltmacht aufsteigen?

Werner Weidenfeld[8] und die Autoren der "Neun-Länder-Studie von TNS Emnid"[9] begründen den Status einer Weltmacht an Hand folgender Kriterien:

  • Territoriale Größe und Bevölkerungszahl;
  • Herausragende wirtschaftliche Macht;
  • Politische Stabilität und Führungsfähigkeit;
  • Kulturelle Anziehungskraft;
  • Hohes Niveau in Forschung und Bildung (Erfindungsgeist, Innovation, Patente);
  • Energie und Rohstoffreichtum;
  • Militärische Macht;
  • Übernahme globaler Ordnungsfunktionen.

    Legt man diese Kriterien an, nimmt die EU im Vergleich zu den "Welt"- bzw. "Großmächten" einen der vorderen Plätze ein. Allerdings fehlt ihr noch die Bündelung der politischen Interessen, die politische Geschlossenheit und die Ordnungserfahrung. Europa ist deshalb eine "Weltmacht im Werden".

  • Fußnoten

    8.
    Vgl. Werner Weidenfeld, Europa - Weltmacht im Werden, in: Internationale Politik, (1995) 5, S. 17ff.
    9.
    Vgl. Neun-Länder-Studie von TNS Emnid im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, Berlin 2006.