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24.7.2008 | Von:
Heinz Brill

Geopolitische Motive und Probleme des europäischen Einigungsprozesses

EU - Global Player mit Defiziten

Die EU ist heute ökonomisch ein "Global player", politisch und strategisch hingegen weist sie in dieser Rolle jedoch ein erhebliches Defizit auf. Die EU gewinnt zwar immer mehr an Gewicht in den Krisenregionen der Welt durch die Kombination aus ziviler und militärischer Konfliktlösung; dennoch ist ein idealistischer Grundzug ihrer Außen- und Sicherheitspolitik aus Mangel an Stärke und Geschlossenheit unverkennbar. Aus diesem Grund werfen kritische Beobachter wie der amerikanische Politologe Robert Kagan der EU mangelnde "Machtpolitik" vor. In seinem viel beachteten Essay "Power and Weakness" ("Macht und Ohnmacht") argumentiert Kagan, dass Europa im 21. Jahrhundert mehr Nachdruck auf Machtpolitik legen muss, um in der harten Realität' der internationalen Beziehungen bestehen zu können. "Die friedliche europäische Integration", so Kagan, "erweist sich als die Feindin der globalen Rolle Europas".[22] In der Tat sollten sich die europäischen Führungsmächte mit ihren "Think Tanks" über kurz oder lang mit der Frage auseinandersetzen: was für eine Art Weltmacht die Europäische Union sein soll. Geeint spricht die EU nur zu allgemeinen Angelegenheiten. In den Kernfragen der Weltpolitik hält sie sich auffallend zurück.

Fußnoten

22.
Zitiert nach Benita Ferrero-Waldner, Europa als globaler Akteur, in: Sicherheit und Stabilität, (2005) 1, S. 8.