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7.7.2008 | Von:
Piepenbrink, Johannes

Editorial

Am 8. August 2008 werden die XXIX. Olympischen Sommerspiele in Peking eröffnet. Über 10 000 Athletinnen und Athleten aus über 200 Nationen, darunter über 450 aus Deutschland, werden sich drei Wochen lang im sportlichen Wettkampf messen. Die Volksrepublik China hat als Ausrichterland die Gelegenheit, sich weltweit als moderner und perfekt organisierender Gastgeber zu präsentieren. Doch Sport, insbesondere der olympische, ist immer auch politisch. Die Liste der Versuche, die Spiele politisch zu vereinnahmen, ist lang und beginnt nicht erst 1936 - wenngleich die Spiele von Berlin bis heute das augenfälligste und schlimmste Beispiel sind.

Auch im Vorfeld der diesjährigen Wettkämpfe wurde darüber debattiert, ob das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Ausrichtung an einen nicht demokratischen, kommunistisch geführten Staat hätte vergeben dürfen, in dem die gesellschaftliche Öffnung der wirtschaftlichen weit hinterherhinkt. Für viele stehen die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in China im starken Gegensatz zu den hehren olympischen Werten. Boykotterwägungen wurden jedoch schnell verworfen. Die Erfahrungen der Spiele von Moskau 1980 und Los Angeles 1984 haben gelehrt, dass ein Fernbleiben nur den Sportlerinnen und Sportlern schaden würde.

Dennoch wäre es falsch, der Frage nach der Vereinbarkeit der olympischen Idee mit den Zuständen im jeweiligen Ausrichterland von vornherein die Legitimität abzusprechen. Sie zu stellen, ist allein deshalb berechtigt, weil sie eine intensive Auseinandersetzung mit dem Land stimuliert - eine notwendige Voraussetzung für ein besseres interkulturelles Verständnis. Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass China seine Chance sportlich und ökonomisch nutzen wird. Ob es sie auch in gesellschaftlicher Hinsicht nutzen kann und will, wird sich erst lange nach den Spielen zeigen.