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7.7.2008 | Von:
Helmut Digel

Chinas Nutzen aus den Olympischen Spielen

Aller Voraussicht werden die Spiele für China ein sportlicher, sozialer und kommerzieller Erfolg. Das Land könnte besonders von den strukturellen Effekten profitieren. Es gibt jedoch auch Risiken.

Einleitung

Die Frage nach der Wirkung Olympischer Spiele kann auf eine lange Tradition verweisen, und sie hat eine verwirrende Vielfalt an Antworten hervorgebracht. Aus Anlass der XXIX. Olympischen Spiele in Peking in diesem Jahr wird diese Frage erneut gestellt und es bleibt abzuwarten, welche Bilanz nach dem Abschluss der Spiele zu ziehen ist.






Die Geschichte der modernen Olympischen Spiele kann als eine Erfolgsgeschichte beschrieben werden. Immer mehr Athleten in immer mehr Sportarten nehmen an ihnen teil, das weltweite Interesse ist kontinuierlich gewachsen, der Zuschlag für die Ausrichtung der Spiele ist für fast alle großen Industrienationen zu einem Objekt der Begierde geworden, und ganz offensichtlich lassen sich mit ihnen auch beträchtliche ökonomische Gewinne erzielen. Bei einer etwas genaueren Betrachtung ist jedoch zu erkennen, dass die Spiele für die Gastgeber nicht immer nur erfolgreich waren. Vielmehr muss aus heutiger Sicht mancher Ausrichter als Verlierer bezeichnet werden. Als äußerst erfolgreiche Ausrichter gelten die Städte Tokio, München, Los Angeles und Seoul. Die Spiele in Japan im Jahre 1964 werden mit dem ökonomischen take off des Landes in Verbindung gebracht. 1972 in München präsentierte sich der internationalen Öffentlichkeit ein neues, weltoffenes Deutschland mit vorbildlichen Sportstätten und wegweisender Infrastruktur. Die Spiele von Los Angeles 1984 zeichneten sich durch das Merkmal des money turn over aus - erstmals konnten erhebliche Gewinne erzielt werden. Mit den Spielen in Korea 1988 wird der Transformationsprozess einer Gesellschaft hin zu einer parlamentarischen Demokratie verbunden. Einer derartigen Erfolgsbilanz stehen jedoch die Spiele von Montreal 1976, Sydney 2000 und Athen 2004 gegenüber. In Montreal kam die ökonomische Bilanz des Gastgebers beinahe einer Katastrophe gleich, Sydney beklagte trotz atmosphärisch erfolgreicher Spiele eine unzureichende Kostendeckung und konnte die Nachhaltigkeit der Sportstätten nicht sichern, und in Athen sind die mit der Ausrichtung verbundenen Folgelasten bis heute ungelöst.

Es stellt sich daher die Frage, inwiefern sich die hohen Erwartungen, welche die chinesische Gesellschaft an die Ausrichtung der Spiele richtet, tatsächlich erfüllen lassen. Das Jahr 2008 hat dabei keineswegs so begonnen, wie es sich die politische Führung des Landes gewünscht hat. Winterstürme haben große Teile der chinesischen Wirtschaft über mehrere Wochen lahmgelegt, und die Aufstände in Tibet haben China international isoliert. Die wirtschaftliche Entwicklung weist gefährliche Alarmsignale auf. Die Inflationsrate steigt, und der Immobilienmarkt wurde nachhaltig erschüttert. Die Energieknappheit belastet die aktuelle und weitere Entwicklung. Trotz dieser eher widrigen Ausgangsbedingungen gehen internationale Experten, nicht zuletzt aber auch die Chinesen selbst davon aus, dass die Olympischen Spiele in Peking alle Erwartungen erfüllen können, die sowohl das Internationale Olympische Komitee (IOC) als auch der Gastgeber mit diesen Spielen verbinden.

Will man diese Erwartungen auf den Prüfstand stellen, so können die grundsätzlichen Fragen nach der gesellschaftspolitischen und ökonomischen Bedeutung sportlicher Großveranstaltungen eine weiterführende Hilfe sein. Hierzu gibt es eine Vielzahl von Studien, in denen diese Zusammenhänge mehr oder weniger systematisch und genau untersucht wurden.[1] Die diesbezüglich vorgelegten empirischen Befunde sind widersprüchlich, die Schlüsse der meisten Auftragsforschungsarbeiten fragwürdig. Dennoch lassen sich in Bezug auf die Frage nach dem Nutzen der Olympischen Spiele in Peking mehrere Wirkungsfelder unterscheiden, die für eine Antwort herangezogen werden können.

Fußnoten

1.
Vgl. u.a. Jean-Jacques Gouguet, Economic Impact of Sporting Events: What Has to be Measured?, in: Carlos P. Barros/Muradali Ibrahimo/Stefan Szymanski (eds.), Transatlantic Sport: The Comparative Economics of North American and European Sports, Cheltenham 2002, S. 152 - 170; Markus Kurscheidt, The World Cup, in: Wladimir Andreff/Stefan Szymanski (eds.), Handbook on the Economics of Sport, Cheltenham 2006, S. 197 - 213; Claude Jeanrenaud (ed.), The Economic Impact of Sport Events, Neuchâtel 1999; Wolfgang Maennig/Stan du Plessis, World Cup 2010: South African Economic Perspectives and Policy Challenges Informed by the Experience of Germany 2006, in: Contemporary Economic Policy, 25 (2007) 4, S. 578 - 590; Holger Preuß, Ökonomische Implikationen der Ausrichtung Olympischer Spiele von München 1972 bis Atlanta 1996, Kassel 1999.