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7.7.2008 | Von:
Helmut Digel

Chinas Nutzen aus den Olympischen Spielen

Resümee

Bei Betrachtung aller positiven Effekte, welche die diesjährigen Olympischen Spiele haben können, kann es eigentlich kaum überraschen, dass sich eine moderne Regionalpolitik heute meist durch das Bemühen auszeichnet, eine ausreichende Zahl sportlicher Großveranstaltungen in eine zukunftsorientierte Entwicklungsperspektive zu integrieren und möglichst langfristig an sich zu binden. Deshalb sind überall in der Welt immer mehr Städte bereit, sich mit enormem finanziellem Aufwand um Olympische Spiele zu bewerben. Seit den Olympischen Spielen von 1984 ist die Zahl der Bewerberstädte um die Ausrichtung Olympischer Sommerspiele kontinuierlich angestiegen, und die Investitionen, die bereits während der immer wichtiger werdenden Bewerbungsphasen getätigt werden, sind in vielerlei Hinsicht ins Unermessliche gestiegen. Vergleichbares lässt sich auch für die Fußballweltmeisterschaften konstatieren. Aus der Sicht des IOC, der olympischen Sportarten oder aus der Sicht des Fußballsports ist diese Entwicklung als positiv zu bezeichnen. Aus der Sicht der Metropolregionen in den interessierten Ländern ist die sich abzeichnende Entwicklung jedoch nicht ohne Risiko. Dabei ist zu erkennen, dass die Risikobereitschaft von Region zu Region unterschiedlich ausgeprägt ist. Auch die Prioritäten werden bei der Einbindung in ein Gesamtkonzept der Regionalentwicklung äußerst unterschiedlich gesetzt. Die Veranstaltung von sportlichen Großereignissen, insbesondere auch von Olympischen Spielen, kann erhebliche Risiken in sich bergen. Das zeigt sich gerade in diesen Tagen in Bezug auf Peking 2008.

Misslungene Olympische Spiele und damit verbundene Verluste sind durchaus in den Bereich des Möglichen gerückt. Sportliche Großveranstaltungen im Allgemeinen und Olympische Spiele im Besonderen werden immer nur dann zu einem besonderen Erfolg, wenn der Identifikationsprozess sowohl der nationalen als auch der internationalen Zuschauer mit den sportlichen Wettkämpfen gelingt. Dazu gehört vor allem, dass sich die Zuschauerinnen und Zuschauer sowohl im Stadion als auch vor den Fernsehgeräten mit Athletinnen und Athleten identifizieren können. Auch in der globalisierten Welt wird die Identifikation dabei vorrangig nationale Merkmale aufweisen. Ist eine nationale Identifikation in Frage gestellt, ist mit rückläufigem Zuschauerinteresse zu rechnen. Der Identifikationsprozess der Zuschauer in sportlichen Wettkämpfen hängt aber auch von den Rahmenbedingungen der Spiele selbst ab. Erweisen sich diese im Vorfeld der Spiele selbst als konfliktträchtig, wird die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nicht vorrangig von sportlichen Wettkämpfen, sondern von dem mit Konflikten belasteten Umfeld in Anspruch genommen. Misslingt es der olympischen Bewegung, den friedenspolitischen Charakter der Olympischen Spiele zur Darstellung zu bringen, so kann die Feier der Olympischen Spiele zu einem Ereignis werden, dessen Wirkung große Gefahren in sich birgt.