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6.2.2008 | Von:
Hansjörg Herr

Das chinesische Wechselkurssystem

Leistungsbilanzentwicklung

Die Leistungsbilanz wird in China von den Exporten und Importen einschließlich der Dienstleistungen dominiert. Einkommens- oder laufende Übertragungen spielen eine sekundäre Rolle. Der Leistungsbilanzsaldo ist von großer Bedeutung, denn ein Leistungsbilanzüberschuss verbessert die Vermögensposition eines Landes gegenüber dem Ausland, während ein Leistungsbilanzdefizit die Vermögensposition verschlechtert. China hatte in den 1980er Jahren und auch noch während der ersten Hälfte der 1990er Jahre eine insgesamt ausgeglichene Leistungsbilanz mit Überschüssen in einigen Jahren und Defiziten in anderen. Die wirtschaftspolitische Ausrichtung war deutlich auf die Verhinderung von anhaltenden Defiziten ausgerichtet. China wollte sich offensichtlich nicht in außenwirtschaftliche Abhängigkeiten bringen, insbesondere nicht in eine Situation hoher ausländischer Schulden.[5] Ab Mitte der 1990er Jahre kam das Land in eine Konstellation permanenter Leistungsbilanzüberschüsse, die ab dem Beginn dieses Jahrzehnts zu eskalieren begannen.

Beachtenswert ist, dass China nach der Asienkrise zu einem Wachstums-Pol und einer Drehscheibe für den internationalen Handel in Asien wurde. Das Land hat gegenüber anderen asiatischen Ländern ein sehr hohes Handelsbilanzdefizit in Höhe von acht Prozent des chinesischen BIPs, realisiert jedoch selbst hohe Überschüsse in der Leistungsbilanz von insgesamt neun Prozent seines BIPs vor allem gegenüber den USA.[6] China ist aufgrund seiner hohen Leistungsbilanzüberschüsse zu einem der Störfaktoren in der Weltwirtschaft geworden. Der RMB scheint deutlich unterbewertet.[7] Im Jahre 2006 realisierte China einen Leistungsbilanzüberschuss von 250 Mrd. US-Dollar, gefolgt von Japan mit 170 Mrd. US-Dollar, Deutschland 148 Mrd. US-Dollar, Saudi-Arabien mit 104 Mrd. US-Dollar und Russland 94 Mrd. US-Dollar. Bei den Leistungsbilanzdefiziten führen die USA mit einem Defizit von 812 Mrd. US-Dollar im Jahre 2006 die Weltliste an, gefolgt von Spanien mit 106 Mrd. US-Dollar und Großbritannien mit 88 Mrd. US-Dollar.[8] Insbesondere die Exportüberschussländer von industriellen Gütern wie China, Japan und Deutschland sind Störfaktoren der Weltwirtschaft, da sie ihr binnenwirtschaftliches Wachstum auf Kosten anderer Länder erhöhen und Arbeitslosigkeit exportieren.

Die Überschüsse Chinas riefen den Unmut vor allem der USA hervor, die ab Ende der 1990er Jahre ihren Druck mit dem Ziel erhöhten, die bilateralen Handelsungleichgewichte abzubauen. Als probates Mittel wurde eine deutliche Aufwertung der chinesischen Währung angesehen. Der Wechsel zu einem Währungskorb im Jahre 2005 und die folgende moderate Aufwertung des RMB sind vor diesem Hintergrund zu sehen. Jedoch hat die Aufwertung des RMB nicht die erwartete Reduzierung der Leistungsbilanzüberschüsse gebracht. Dies dürfte daran liegen, dass die chinesischen Exporte mengenmäßig auf die Aufwertung nur gering reagierten. Zudem agiert China teilweise als verlängerte Werkbank, da es Güter importiert, im Inland bearbeitet und dann wieder exportiert. Seit Mitte der 1990er Jahre entspringen über 50 Prozent der chinesischen Exporte aus solchen verlängerten Werkbänken.[9] Aufwertungen tangieren die internationale Wettbewerbsfähigkeit dieser Produktionen nur begrenzt.

Fußnoten

5.
Vgl. Gerd Kulke, Exportorientierte Entwicklungsstrategie in der VR China, in: Hansjörg Herr/Albrecht Sommer/He Zerong (Hrsg.), Nachholende Entwicklung in China. Geldpolitik und Restrukturierung, Berlin 2002, S. 153 - 164.
6.
Vgl. IMF, World Economic and Financial Surveys, Regional Economic Outlook, Asia and Pacific, Washington, D. C. 2007, S. 6.
7.
Vgl. zur Frage der Unterbewertung Barry Eichengreen, China's Exchange Rate Regime and Policy, University of California Berkeley 2006, http://www.econ.berkeley.edu/
~eichengr/research/short.pdf.
8.
Vgl. Central Intelligence Agency, The World Fact Book 2007, Washington, D. C. 2007.
9.
Vgl. B. Naughton (Anm. 1), S. 388.