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3.12.2009 | Von:
Hagen Albers

Onlinewahlkampf 2009

Direkte Kommunikation und Bürgerpartizipation

Erwartungen an eine Professionalisierung der Internetauftritte der Parteien wurden im Wahljahr 2009 weitestgehend erfüllt. Gewohnte Wahlkampfinstrumente wurden standardmäßig eingesetzt. Neu waren die Mobilisierungskampagnen über die Instrumente des Web 2.0. Es gelang den Parteien, über interne und externe Netzwerke mit vielen Unterstützern zu kommunizieren und stetig mehr Sympathisanten für sich zu gewinnen. Letztlich muss jedoch konstatiert werden, dass das Potential nicht ausgeschöpft wurde. In diesem Zusammenhang spielt sicher eine Rolle, dass die CDU unter Merkel einen polarisierenden Wahlkampf weitestgehend vermied.

Technologische Innovationen stellten die große Herausforderung für die Parteien im Wahljahr dar. Denn der Einstieg in die Onlinenetzwerke bedeutete zugleich, die dortigen Kommunikationsmechanismen zu adaptieren. Alle großen Parteien mussten auf private Nachrichten durch die User im Facebook und MeinVZ reagieren. Letztlich öffneten sie sich über die neuen Kanäle der wechselseitigen und direkten Kommunikation. Aufforderungen zum Mitmachen bei parteieigenen Unterstützeraktionen verliefen hingegen ausschließlich in Form der top-down-Kommunikation. Auch Twitter blieb in den meisten Fällen ein Instrument der top-down- und one-to-many-Kommunikation. Politiker aus allen Parteien twitterten, sammelten Followers und sendeten Nachrichten an ihre persönlichen Netzwerke. Bei der Dialogkommunikation setzen vor allem die Grünen neue Maßstäbe mit einer Aktion namens "3-Tage-wach". Die am Donnerstag vor den Europawahlen gestartete Aktion erlaubte es den Besuchern von "gruene.de", Fragen zu grüner Politik zu stellen.[12] Rund um die Uhr waren über einen Livestream Freiwillige vor Rechnern zu beobachten, die fleißig die Fragen der interessierten Nutzer beantworteten. Auch 72 Stunden vor dem Schließen der Wahllokale bei der Bundestagswahl waren die Grünen noch für Anfragen verfügbar und beantworteten auf diesem Weg nach eigenen Angaben rund 12000 Fragen.[13]

Fußnoten

12.
Vgl. Lorina Buhr, Drei Tage wach für Unentschlossene, in: Politik-Digital vom 24. 9. 2009, http://politik-digital.de/drei-tage-wach-fuer-unentschlossene -waehler (3. 10. 2009)
13.
Angaben der Bundesgeschäftsführerin von Bündnis 90/Die Grünen, Steffi Lemke über den Mikrobloggingdienst Twitter am 27. 9. 2009 um 16:54 Uhr, http://twitter.com/Steffilemke (15. 10. 2009).

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