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30.10.2009 | Von:
Michael Brzoska

Bedingungen erfolgreicher Friedenskonsolidierung

Erfolge und Misserfolge der Friedenskonsolidierung

Parallel zur Ausweitung des Engagements der internationalen Gemeinschaft in der Krisenbewältigung hat die Zahl der Kriege und bewaffneten Konflikte zwischen 1995 und 2005 deutlich abgenommen, nach einigen Quellen fast um die Hälfte. Seitdem stagniert sie auf deutlich niedrigerem Niveau als vor 1995.[7]

Der Rückgang ist vor allem auf die Beendigung einer im Zeitvergleich großen Anzahl bewaffneter Konflikte zurückzuführen. Tabelle 1 (vgl. Tab. 1 der PDF-Version) verdeutlicht dies durch den Vergleich der Zahl von Kriegsbeendigungen in der Zeit des Kalten Krieges mit der nach seinem Ende. Wurden zwischen 1950 und 1989 pro Jahr im Schnitt 6,4 Kriege beendet, waren es zwischen 1990 und 2005 jährlich 10,3.

Die Art, wie Kriege - die weit überwiegende Zahl sind wie erwähnt Bürgerkriege - enden, hat sich deutlich gewandelt. Während in der Zeit des Kalten Krieges die meisten mit dem Sieg einer Seite endeten, sind derartige Siegfrieden seitdem deutlich seltener geworden. Hingegen ist die Zahl der Kriege angestiegen, die durch Verhandlungen beendet wurden - von 41 in den Jahren zwischen 1950 und 1989 auf 58 von 1990 bis 2005. Sehr hoch ist auch die Zahl der Fälle, in denen es weder zum Sieg einer der Seiten noch zu einem Verhandlungsfrieden kam, sondern die organisierte Gewalt einfach endete oder zumindest so weit abnahm, dass ein Konflikt nicht mehr als Krieg[8] gezählt wurde.

Verändert hat sich allerdings auch die Dauerhaftigkeit von "Frieden", verstanden als Abwesenheit von Krieg. In Tabelle 1 wird dies daran festgemacht, ob innerhalb von fünf Jahren auf demselben Territorium, auf dem ein Krieg stattgefunden hat, wieder ein solcher verzeichnet wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Krieg wieder aufflammt, ist nach 1989 deutlich gestiegen. Sie liegt für alle Kriegsbeendigungen nach den Daten der Tabelle 1 bei deutlich über 40 Prozent. Diese Zahl liegt eher am unteren Ende der Schätzungen für das Scheitern von "Frieden", die mittels anderer Kriterien und auf der Grundlage anderer Datensätze angestellt worden sind.[9]

Hauptursachen für die gesunkene Erfolgsrate von Kriegsbeendigungen sind das deutlich häufigere Scheitern von Verhandlungsfrieden und das oftmalige Wiederaufflammen organisierter Gewalt in Fällen, in denen sie ohne den Sieg einer Seite oder Verhandlungen "verschwunden" war.

Fußnoten

7.
In diesem Beitrag werden vorrangig Angaben des Uppsala Conflict Data Project verwendet, siehe www.pcr.uu.se/database/index.php. Zahlen aus anderen Quellen, etwa der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung an der Universität Hamburg, weisen ähnliche Trends aus, siehe www.sozialwiss.uni-hamburg.de/publish/Ipw/Akuf/index.htm (9.9. 2009).
8.
Kriterium für einen Krieg in der hier benutzten Definition (armed conflict) der Uppsala-Konfliktdatenbank sind mindestens 25 Gefallene (battlefield deaths) in einem Jahr.
9.
Vgl. u.a. Michael Doyle/Nicholas Sambanis, Making War and Building Peace. United Nations Peace Operations, Princeton 2006; Virginia Page Fortna, Does Peacekeeping Work? Shaping Belligerents' Choices after Civil War, Princeton 2008.

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