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30.10.2009 | Von:
Sibylle Tönnies

Die "Neuen Kriege" und der alte Hobbes

Mangelhafte Machtbereitschaft

Nicht nur Hobbes Aufruf an die Gentlemen, die ihre Souveränität aufgeben sollten, lässt sich auf die heutigen, bisher souveränen Nationen übertragen. Auch seine Botschaft an die zu gründende Zentralgewalt lässt sich auf die Weltebene transferieren. Denkt man sich die USA als die Macht, der Hobbes heute die Aufgabe zuweisen würde, mit dem Rest der Welt einen Welt-Gesellschaftsvertrag zu schließen, so zeigt sich deutlich, dass diese Macht keineswegs auf diese Rolle vorbereitet ist. Hobbes würde den USA dasselbe vorwerfen, was er den zu seiner Zeit rivalisierenden Mächten vorwarf: dass sie sich verhielten, als sei das "Schwert der Gerechtigkeit" für sie zu heiß - "as if the sword of justice were too hot for them to hold".[16]

Die "Sole Super Power" zeigt bisher keine Neigung, den status naturalis der Welt aufzulösen und ihre lukrative Rolle als Wolf unter Wölfen aufzugeben. Sie muss erst dazu animiert werden, das "Schwert der Gerechtigkeit" tatsächlich in die Hand zu nehmen. Es wird ein Gewinn sein, wenn es die politische Korrektheit erlaubt, sie dazu offen aufzufordern - ohne dass verwirrende neue Begriffe zu Hilfe genommen werden müssen.

Fußnoten

16.
Thomas Hobbes, Leviathan. Review and Conclusion, London (Reprint) 1985, S. 721.

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