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16.10.2009 | Von:
Bettina Englmann

Standards der beruflichen Anerkennung

Zur Festlegung von Standards

In Deutschland besteht seit vielen Jahren eine Verwaltungspraxis der Anerkennung von Bildungsabschlüssen. Jedes Bundesland verfügt über abschlussspezifisch zuständige Anerkennungsstellen. Selbst wenn allein Spätaussiedler das Angebot eines Verfahrens nutzen können, was in zahlreichen nicht-reglementierten Berufen der Fall ist, kann die jeweilige Stelle auf Erfahrungen mit der Bewertung von Qualifikationen aus diversen Staaten zurückblicken.

Wer Anerkennungsverfahren für ausländische Qualifikationen verbessern will, muss sich verschiedene Fragen stellen: Wie effektiv sind die Verfahren in der Praxis? Welche Unterschiede bestehen zwischen den Bundesländern? Können gemeinsame Ziele definiert werden, um Strategien zur Entwicklung eines Qualitätsmanagements festzulegen? Das Eckpunktepapier des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sieht ein Monitoringsystem für die Anerkennungsverfahren in den Ländern vor.[5] Allerdings ist ein solches System nur dann sinnvoll, wenn einheitliche Standards die Grundlage für einen Qualitätsvergleich von Anerkennungsverfahren schaffen.

Was zeichnet Standards aus? Durch gemeinsame Standards werden verbindliche Erwartungen und Maßstäbe bestimmt, die eine sachgerechte und professionelle Durchführung der Verfahren sichern. Sie sind einerseits hilfreich, um den aktuellen Stand einzuschätzen; andererseits bietet die Orientierung an einem einheitlichen Raster Chancen für die Diskussion von Konzepten oder Praxisbeispielen sowie für die Qualitätsentwicklung.[6]

Die Diskussion um "Bildungsstandards" hat in den vergangenen Jahren viel öffentliche Aufmerksamkeit erregt. Nach dem "PISA-Schock" erarbeitete die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder (KMK) bundesweit geltende Standards für die Schul- und Unterrichtsqualität in den Ländern.[7] Zwar wurde - angesichts der erheblichen Leistungsunterschiede in den Ländern - der Wunsch nach mehr Bildungsgerechtigkeit begrüßt, aber es wurden auch Befürchtungen bezüglich einer zunehmenden Normierung von Schülerlaufbahnen sowie zusätzlicher Kontrollmechanismen und Pflichten geäußert. Standards können jedoch auch neue Berechtigungen schaffen und die Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe verbessern. "Unter Standards werden im allgemeinen normative Vorgaben verstanden, die eine gute Übung festlegen und in diesem Sinne Leitlinien für das Handeln ihrer Adressaten enthalten. (...) Sie umfassen nicht nur rechtlich verbindliche Vorgaben, sondern auch Festschreibungen, die lediglich mittelbar verhaltenslenkend wirken."[8] Wenn Standards für Anerkennungsverfahren diskutiert werden sollen, wird die gute Praxis einiger Anerkennungsstellen eine wichtige Rolle spielen. Andere Anerkennungsstellen werden neue Verwaltungsnormen eher akzeptieren, wenn sie erkennen, dass die Erwartungen erfüllbar und realistisch sind. Für die Bürgerin und den Bürger ist die Steigerung der Qualität der öffentlichen Dienstleistungen generell wünschenswert; Inhaber ausländischer Abschlüsse, die ein Anerkennungsverfahren durchlaufen wollen, können durch einheitliche Standards profitieren. Um einen Rahmen für die Standardisierung von Anerkennungsverfahren in den Ländern zu schaffen, werden im Folgenden sechs Standards vorgeschlagen.

Fußnoten

5.
Vgl. BMAS (Anm. 4), S. 8.
6.
Über die "notwendige Verknüpfung" von Bildung, Qualität und Standard vgl. Eckhard Klieme, Bildungsqualität und Standards. Anmerkungen zu einem umstrittenen Begriffspaar, in: Friedrich Jahresheft XXIII (Standards. Unterrichten zwischen Kompetenzen, zentralen Prüfungen und Vergleichsarbeiten), Seelze 2005, S. 6 - 7.
7.
Vgl. Sekretariat der KMK, Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz. Erläuterungen zur Konzeption und Entwicklung, München-Neuwied 2005.
8.
Ulrich Becker, Schutz und Implementierung von EU-Sozialstandards, in: ders./Bernd Baron von Maydell/Angelika Nußberger (Hrsg.), Die Implementierung internationaler Sozialstandards. Zur Durchsetzung und Herausbildung von Standards auf überstaatlicher Ebene, Baden-Baden 2006, S. 139 - 178, hier S. 152.