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16.10.2009 | Von:
Bettina Englmann

Standards der beruflichen Anerkennung

I. Zugänglichkeit

Die Europäische Menschenrechtskonvention sieht ebenso wie die Charta der Grundrechte der EU ein Recht auf Bildung vor. In diesem Kontext soll Bildungsgerechtigkeit die Teilhabe an Bildungsprozessen sichern. Inhaber ausländischer Abschlüsse können durch ein Anerkennungsverfahren einen Platz im deutschen Qualifikationssystem finden, im Rahmen einer Teilanerkennung können sie berufsspezifische Weiterbildungen absolvieren. Allerdings verhindern gesetzliche Lücken, dass diese Wege für alle Zuwanderer nutzbar sind. Die Frage der Zugänglichkeit von Anerkennungsverfahren stellt daher einen wichtigen Standard im Vergleich der Bundesländer dar.

Die Verfahrenspraxis einzelner Anerkennungsstellen ist teilweise schon heute dadurch geprägt, dass alle Migrantinnen und Migranten eine Bewertung ihrer ausländischen Qualifikation beantragen können. Falls eine Rechtsgrundlage fehlt, wird ein informelles Gutachten ausgestellt, das bei Bewerbungen nützlich sein kann. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Mehrheit der Anerkennungsstellen ein informelles Vorgehen ohne Rechtsgrundlage ablehnt. Folglich gibt es für den Einzelnen keine Anerkennungsmöglichkeit, was sich bei der Suche nach einem qualifizierten Arbeitsplatz als Hindernis erweist: Viele Arbeitgeber fragen ebenso nach Anerkennungsbescheiden wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeitsverwaltung. Um sicherzustellen, dass jeder qualifizierte Zuwanderer seine Potenziale am Arbeitsmarkt tatsächlich einsetzen und entwickeln kann, ist die Gewährung eines individuellen Rechtsanspruchs auf ein Anerkennungsverfahren notwendig, das mit einer Verortung im deutschen Bildungssystem verknüpft ist. Mit der Möglichkeit der Gleichstellung von Qualifikationen würde auch eine generelle Wertschätzung von Migration zum Ausdruck gebracht werden, was Deutschlands Attraktivität als Zuwanderungsland mittelfristig steigern dürfte.