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16.10.2009 | Von:
Bettina Englmann

Standards der beruflichen Anerkennung

III. Verknüpfung mit Weiterbildung

Dass qualifizierte Zuwanderer unter Umständen spezifische Kurse brauchen, um in ihrem Aufnahmeland am Arbeitsmarkt erfolgreich sein zu können, wird an den vielfältigen berufsspezifischen bridging programs (Brückenmaßnahmen) deutlich, die in Kanada oder Australien verfügbar sind. Ein Standard für Anerkennungsverfahren sollte die Verknüpfung mit passenden Weiterbildungen sein. Die EU-Anerkennungsrichtlinien sehen in reglementierten Berufen eine Verbindung von Anerkennungsverfahren und Anpassungsqualifizierung vor. Dieser rechtliche Anspruch ist bisher für die Inhaber von Drittlandsdiplomen - auch für Spätaussiedler - nicht verfügbar. Das deutsche Bildungssystem ist für Migranten nicht durchlässig genug.

Bei der Strategie des lebenslangen Lernens sollen Bildungsprozesse nicht mehr auf den an Lehrplänen orientierten Aufbau von zunächst ungenutztem Wissen, sondern auf die Bewältigung von konkreten Anforderungen ausgerichtet werden. Im Kontext der beruflichen Anerkennung spielt diese Strategie jedoch noch keine konzeptionelle Rolle. Um Brückenmaßnahmen berufsspezifisch zu organisieren, muss zunächst die Heterogenität der potenziellen Teilnehmerinnen und Teilnehmer berücksichtigt werden. Grundsätzlich ist es möglich, Fachsprache und berufsbezogene Kommunikationssituationen in der Gruppe zu unterrichten, ebenso wie spezifische Bewerbungsstrategien oder Informationen über das deutsche Berufsprofil bzw. den Arbeitsmarktsektor. Daneben sollten jedoch individualisierte Lernformen im Vordergrund stehen, die generell für den Entwicklungsstand des Weiterbildungssystems prägend sind und vielfach außerhalb von klassischen Bildungsstätten bzw. Bildungsträgern Raum finden.[11]

Grundlage dafür ist die Analyse des individuellen Kompetenzprofils und die Planung des weiteren Lernens. Für Inhaber ausländischer Abschlüsse kann dies im Rahmen des Anerkennungsverfahrens geleistet werden. Wer Qualifikationen im Ausland erworben hat, verfügt oft nicht nur über einen Beruf, sondern auch über vielfältige Berufserfahrungen. Damit Migranten ihr Wissen und ihre Fähigkeiten gezielt einsetzen können, benötigen sie Informationen über die Relevanz bestimmter Lernziele für ihren zukünftigen Arbeitsalltag. Eine wirksame individuelle Förderung, die den konkreten Anforderungen der Arbeitsplätze entspricht, könnte auch in Unternehmen stattfinden. Training-on-the-job bietet im Idealfall eine Kombination von Lernen am Arbeitsplatz, dem Einsatz neuer Medien und der Einbindung in ein Team. Gerade für nicht-reglementierte Berufe wäre ein Praktika-Programm der Wirtschaft sinnvoll, das Inhabern ausländischer Qualifikationen für eine begrenzte Zeit die Aufnahme in ein Unternehmen ermöglicht und das mit einem individuellen Zertifikat über die erworbenen Erfahrungen und Fortschritte abschließt.

Fußnoten

11.
Vgl. Eckart Severing/Thomas Stahl, Qualitätssicherung in der Beruflichen Bildung - Europäische Konzepte und Erfahrungen, in: Rolf Arnold (Hrsg.), Qualitätssicherung in der Berufsbildungszusammenarbeit, Baden-Baden 2002, S. 33 - 51.