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16.10.2009 | Von:
Bettina Englmann

Standards der beruflichen Anerkennung

IV. Nutzbarkeit von Informationsmaterial

Hunderte von Stellen sind in Deutschland mit der Anerkennung von Abschlüssen befasst - die richtige zu finden, gestaltet sich oft als Herausforderung. Informationsdefizite sind auch ein Problem für Arbeitsvermittler und Migrationsberater, die als Multiplikatoren der erste Kontakt von Neuzuwanderern mit dem deutschen Arbeitsmarkt sind. Um systematisch zu Anerkennungsfragen beraten zu können, benötigen sie Erläuterungen zu den formalen und informellen Anerkennungsmöglichkeiten, die einzelne Stellen anbieten. Mangelnde Transparenz macht kompetente Beratung für potenzielle Antragsteller zu einem wesentlichen Qualitätsmerkmal. Umfassendes, differenziertes und verständliches Informationsmaterial, das von jeder Anerkennungsstelle zur Verfügung gestellt werden sollte, bildet daher einen weiteren Standard.

Bisher verwendet nur ein Teil der Stellen ein schriftliches Merkblatt oder einen Antragsvordruck; im Idealfall ist beides im Internet verfügbar. Vielfach sind diese Materialien verbesserungs- bzw. ausbaufähig. In einem Verhaltenskodex der EU-Kommission wurde empfohlen, dass jede Anerkennungsstelle einen Leitfaden zum Ablauf des Verfahrens und Informationen zu gleichgestellten Qualifikationen bereitstellen sollte sowie eine Beschreibung des nationalen Berufsbildes und einschlägige Weiterbildungsmöglichkeiten.[12] Auch anonymisierte Beispielfälle sollen gesammelt werden. Der Europarat entwickelte in Verbindung mit der Lissabonner Anerkennungskonvention von 1997 detaillierte Vorgaben für faire, transparente und flexible Anerkennungsverfahren. Um Verkrustungen bei der Bewertung ausländischer Qualifikationen aufzubrechen, wurden Regierungen aufgefordert, ihre Gesetze und Verfahren zu reformieren. Der Informationsauftrag umfasst auch ausländische Bildungssysteme. Als Zielgruppen von Beratung wurden neben Migranten auch Arbeitgeber, Berufsorganisationen, Behörden und Bildungseinrichtungen genannt.[13] Beispiele vorbildlicher Praxis sowie Methodologien der Anerkennungsverfahren, die im Kontext der Bildungsforschung entwickelt werden, sollen dokumentiert und beworben werden.

Fußnoten

12.
Vgl. Europäische Kommission, Von der Koordinatorengruppe gebilligter Verhaltenskodex für die Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen, Abl. L 255, 30. 9. 2005.
13.
Vgl. Council of Europe, Code of Good Practice in the Provision of Information on Recognition, adopted by the ENIC and NARIC Networks, Strasbourg 2004.