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16.10.2009 | Von:
Bettina Englmann

Standards der beruflichen Anerkennung

V. Transparenz

Bisher werden in den Bundesländern keine vergleichbaren Statistiken darüber geführt, welche Abschlüsse anerkannt werden und welche nicht. Auch die Beantwortung der Frage, welche Arbeitsmarkterfolge Inhaber bestimmter ausländischer Abschlüsse erzielen, ist derzeit aufgrund von fehlenden Daten nicht möglich. Sinnvoll wäre in diesem Kontext eine Langzeit-Neuzuwandererbefragung in mehreren Stufen, wie sie in Kanada und Australien seit einigen Jahren durchgeführt wird.[14]

Die Herstellung von Transparenz in der Anerkennungspraxis ist daher ein weiterer Standard, der sowohl von einzelnen Stellen als auch im bundesweiten Kontext berücksichtigt werden muss. Der Wunsch nach Transparenz spielt nicht nur für Migranten eine Rolle, auch die Wirtschaft hat ein Interesse an effektiven Verfahren und aussagekräftigen Bescheiden. Berufliche Anerkennung bezweckt die weitere Ausübung des erworbenen Berufs. Auch wer eine volle Anerkennung erreicht, muss Arbeitgeber erst noch von sich überzeugen, um eine passende Stelle zu erhalten. Wenn Unternehmen Fachkräfte suchen, besteht gegenüber ausländischen Zeugnissen oft große Unsicherheit. Bescheide von Anerkennungsstellen in Form eines Gutachtens können darstellen, welchen Wert bestimmte ausländische Abschlüsse haben bzw. inwiefern sie mit deutschen vergleichbar sind. Um eine neue Vertrauenskultur am Arbeitsmarkt zu etablieren, könnte sich das flächendeckende Angebot von Bewertungen und weiter reichender Beratung durch Anerkennungsstellen - in der Regel wirtschafts- und staatsnahe Organisationen - als hilfreich erweisen. Bisher werden Anerkennungsbescheide in den Bundesländern nicht evaluiert. Wer sich die Bescheide verschiedener Stellen, aber gleicher Berufe ansieht, stellt fest, dass Form, Länge und Begründungen stark variieren. Allerdings sind Migranten und die Wirtschaft darauf angewiesen, dass die Bescheide aussagekräftig und verständlich sind. Um die Ziele Objektivität, Verlässlichkeit und Gültigkeit zu erreichen, ist eine Standardisierung der schriftlichen Ergebnisse des Verfahrens notwendig. Eine individuell angemessene, faire und nachvollziehbare Leistungsbeurteilung kann durch eine pragmatische Überprüfung der berufsrelevanten Kompetenzen sichtbar werden.

Ein Sonderfall kann bei ablehnenden Bescheiden auftreten, wenn darin keine Möglichkeit angegeben wird, wie die Anerkennung in Zukunft, zum Beispiel durch das Absolvieren von Weiterbildungen, erreicht werden kann. Bislang bilden formale Voraussetzungen wie ein Facharbeiterzeugnis oft die Zugangsvoraussetzung für berufsspezifische Fortbildungen. Für Inhaber ausländischer Abschlüsse müssen entsprechende Zugänge erst noch geschaffen werden.

Fußnoten

14.
Kanada hat ein "Foreign Credential Recognition Program" aufgelegt, um die berufliche Anerkennung durch Standardisierung zu verbessern und damit die Arbeitsmarkterfolge von Migranten zu steigern. Vgl. Lesleyanne Hawthorne (ed.), Foreign Credential Recognition. Canadian Issues, Ottawa 2007.