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16.10.2009 | Von:
Bettina Englmann

Standards der beruflichen Anerkennung

VI. Qualitätssicherung

Qualitätssicherung im Anerkennungsverfahren umfasst zwei Ebenen: Zum einen muss im Rahmen der Bewertung sichergestellt werden, dass berufliche Standards des Aufnahmelandes nicht verwässert werden. Wenn Defizite vorliegen, sollte eine Anpassungsmaßnahme verfügbar sein, um den Standard erreichbar zu machen. Ein zweiter Aspekt gilt dem Verfahren selbst. Um die Qualität von Anerkennungsverfahren zu sichern und weiter zu entwickeln, ist eine systematische Rechenschaftslegung über die Ergebnisse notwendig. "Die Verbesserung der Ergebnisse und die Vergleichbarkeit der Chancen stellen sich nicht automatisch ein."[15] Anhand des Standards Qualitätssicherung können in den Anerkennungsstellen zu erwartende Leistungen festgelegt und überprüft werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie effektiv Methoden der Kompetenzdiagnostik im Verfahren angewendet werden.

Anerkennungsverfahren sind anforderungsorientiert. Geprüft wird, ob der Inhaber einer ausländischen Qualifikation denselben Ausbildungsstand wie ein entsprechender deutscher Absolvent vorweisen kann. Vielfach wird ausschließlich nach Aktenlage geprüft, das heißt, dass eine Zeugnisbewertung vorgenommen wird, bei der die Dauer und Fächerinhalte der Ausbildung verglichen werden. Anerkennungsstellen verlangen oft detaillierte Nachweise über die Ausbildung inklusive Fächeraufstellungen mit Wochenstundenzahlen. Falls derartige Papiere nicht vorhanden sind, kann der Antrag abgelehnt werden. Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob ein Vergleich der Ausbildungsdauer überhaupt sinnvoll ist, wenn jemand Berufserfahrung und damit zusätzliche, individuell nachweisbare Fähigkeiten erworben hat. EU-Bürger haben durch Bestimmungen der EU-Anerkennungsrichtlinien einen Rechtsanspruch auf eine Prüfung ihrer informell erworbenen Kompetenzen. Beispiele guter Praxis legen auch einige Kammern vor, die in ihrer Region Praxistests für Migranten durchführen, zum Beispiel durch betreute Praktika in Mitgliedsbetrieben oder indem Arbeitsproben bei den Innungen erstellt werden, die ein Prüfungsausschuss beurteilt. Kompetenzbasierte Anerkennungsverfahren sollten generell die derzeitige Praxis der Zeugnisbewertung ergänzen. Anstatt ausschließlich formale Aspekte zu fokussieren, können so alle vorhandenen Kompetenzen jeder bzw. jedes Einzelnen berücksichtigt werden.

Fußnoten

15.
KMK (Anm. 7), S. 10.