APUZ Dossier Bild

8.10.2009 | Von:
Gottfried Honnefelder
Claudia Paul

Medienwechsel - Verlegen in digitalen Zeiten - Essay

Verlagsinstrumente für den digitalen Markt

Die digitalen Formen der Schriftlichkeit haben Züge angenommen, die bislang charakteristisch für die unmittelbare Kommunikation waren: Gleichzeitigkeit, Interaktivität, Intimität und Offenheit für alles. Schwer tut sich das digitale Medium darin, das wiederzugewinnen, was der alten Schriftlichkeit seit den Tontafeln eigen war: Permanenz, Öffentlichkeit und Auswahl unter vielen.

Auf den ersten Blick scheint für den Verleger nichts näher zu liegen, als die beiden Informations- und Vermittlungswege komplementär miteinander zu verbinden. In weiten Bereichen ist unser Verlagswesen durch ein solches komplementäres Miteinander gekennzeichnet, und ohne Zweifel spricht vieles dafür, dass es das auf die Conditio humana adaptierte Buch noch lange geben wird. Doch so viel Wahres und Richtiges diese These enthält, zur Regelung der anstehenden Probleme reicht sie nicht aus. Schon jetzt ist deutlich, dass die digitalen Möglichkeiten das Verlagswesen selbst verändern und prägen. Das aber bedeutet, dass die neuartigen Seiten des elektronischen Mediums zugleich die Felder markieren, auf denen Regelungen notwendig erscheinen. Damit rücken drei grundsätzliche Funktionen des Verlagswesens in den Fokus, die für den digitalen Markt geschärft werden müssen: Dauerhaftigkeit, Filtersysteme und der Weg über den Markt.
  1. Der Sicherung bedarf das, was man die Dauerhaftigkeit des Gedruckten, seinen Werkcharakter oder seine Authentizität nennen könnte. Wie kann die elektronisch übermittelte Gestaltung eines Textes vor ihrer permanenten Veränderbarkeit und Manipulierbarkeit bewahrt werden?


  2. Mit besonderen Schwierigkeiten ist die Etablierung von Filtersystemen verbunden, ohne die eine für den modernen Kulturstaat konstitutive Öffentlichkeit nicht zu gewinnen ist. Wie ist elektronische Filterung erreichbar, ohne gleichzeitig die individuelle Meinungsfreiheit einzuschränken und die regionale Vielfalt zu vernachlässigen? Was sich im Buch- und Verlagswesen über einen langen Erfahrungs- und Lernprozess eingespielt hat, ist für das Publizieren in digitalen Medien erst noch zu gewinnen.


  3. Wenn die Verbindung von Druck, Verlag und Markt erhalten werden soll, darf die allgemeine Zugänglichkeit nicht mit einer auch nur teilweisen Zerstörung des Markts und damit der ökonomischen Basis des Verlagswesens bezahlt werden. Dies gilt nicht deshalb, weil die Interessen der Verleger zu schützen wären. Vielmehr geht es darum, dasjenige Distributionsinstrument zu bewahren, das nach allen Erfahrungen am effizientesten die Verbindung der Merkmale von Permanenz, Selektivität und Öffentlichkeit zu sichern vermag.