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8.10.2009 | Von:
Michael Roesler-Graichen

Copyright und Rechtemanagement im Netz

Technische Schutzmaßnahmen

Die Verlage versuchen bisher, der urheberrechtswidrigen Nutzung und Verbreitung von elektronischen Büchern oder anderen Dokumenten vor allem durch technische Maßnahmen entgegenzuwirken. Um die illegale Vervielfältigung, Weitergabe und Weiterverarbeitung ihrer geschützten Inhalte zu verhindern, versehen sie die Dateien mit einem Digital Rights Management (DRM), einer Software, die verhindert, dass der Käufer eines Dokuments sein E-Book beliebig oft kopieren und weiter vertreiben kann. Dieser technische Schutz ist bei vielen Nutzern sehr unbeliebt, weil er mit einer komplizierten Prozedur von Registrierung, Identifikation und Installation auf dem Computer oder Lesegerät verbunden ist, welche die Freude am digitalen Lesen bremst. So ist es jedenfalls bei Käufern der auch in Deutschland angebotenen Sony Reader: Bevor sie ein E-Book lesen können, muss erst ein Identifikationscode in die Datei "eingebrannt" werden. Für ein einfacheres Verfahren haben sich Anbieter entschieden, die proprietäre Inhalte für die von ihnen selbst vertriebenen Lesegeräte zur Verfügung stellen: So können die Besitzer eines Kindle von Amazon ihre Dateien direkt und drahtlos auf ihr Lesegerät laden - eine Übertragung auf ein anderes Lesegerät ist allerdings (noch) nicht möglich.

Eine Alternative stellt das "digitale Wasserzeichen" dar, das unter anderem vom Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie in Darmstadt entwickelt worden ist.[1] Ein digitales Wasserzeichen ist ein Identifizierungscode, der zum Beispiel einer E-Book- oder Audiodatei unterlegt wird, ohne dass dies sicht- oder hörbar würde. Die Kopierfähigkeit der Datei wird zwar nicht eingeschränkt, dafür ist aber die Nachverfolgung von Dateien möglich, die unbefugt im Netz weitergegeben oder dupliziert werden. Man spricht vielfach von einem psychologischen Kopierschutz oder "Social DRM". Raubkopierer sollten sich nicht zu sicher sein: Es gibt Firmen wie das im Sommer 2009 gegründete Fraunhofer-Spin-Off CoSee, die im Auftrag von Unternehmen (also auch Verlagen) illegal verbreitete Dateien mit Wasserzeichen im Netz aufspüren können.

Fußnoten

1.
Vgl. www.sit.fraunhofer.de.