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12.6.2009 | Von:
Frank Bertsch
Werner Just

Die Suche der Verbraucher nach verantwortlichen Kreditinstituten

Verbraucher als selbstständige basale Wirtschaftssubjekte

Einer gängigen Definition zufolge sind Verbraucher ausschließlich Endverbraucher, deren Konsum privaten Zwecken dient. Diese Interpretation erweist sich als überholt. Verbraucher sind private Haushalte und Familien mit ihren Mitgliedern in ihrer Eigenschaft als basale Wirtschaftssubjekte, die im Rahmen ihrer Daseinsgestaltung konsumtive und investive Entscheidungen treffen. Das Rollenspektrum der Verbraucher hat sich erweitert. Private Haushalte agieren heute nicht nur in ihrer privaten Lebenswelt. In vielen Fällen sind sie unmittelbar in das Betreibengemeinnütziger Selbsthilfeinitiativen und freier sozialkultureller Träger sowie die Gründung und den Aufbau selbständiger marktwirtschaftlicher Unternehmen involviert. Die Projekte der privaten Lebensführung verbinden sich mit einer Mitgestaltung und -verantwortung der ökonomischen und ökologischen, sozialen und politischen Umgebungen.

Die Anforderungen an die Haushalte bei der Alltagsbewältigung und Lebensplanung haben sich erhöht. Wirtschaftlich sehen sich Verbraucher einer Ausweitung von Wahlmöglichkeiten bei Gütern und Dienstleistungen gegenüber, die sich beständig ändern und deren Komplexität zunimmt. Die Transparenz der Märkte nimmt ab. Hinzu kommen Fehlentwicklungen auf Märkten (beispielsweise durch die Ausbreitung spekulativer Finanzprodukte). Haushalte erleben die wirtschaftliche Globalisierung wie die gegenwärtige Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise als eine ernste Bedrohung ihrer privaten Lebensführung und sozialen Teilhabe.[3] Der rasche Wandel der Verhältnisse überfordert vielfach die Anpassungsfähigkeit der Haushalte. Private Haushalte, die zurückbleiben, verlieren zunehmend ihre Fähigkeit der Selbstbestimmung und Selbstorganisation. Es kommt zu einem Rückgang an wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Teilhabe. Deshalb auch entwickeln sich Bildung und Beratung zu einem Schwerpunkt des Empowerments von Haushalten.

Fußnoten

3.
Vgl. Wissenschaftlicher Beirat für Verbraucher- und Ernährungspolitik beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV): Stellungnahme "Verbraucherkompetenz für einen persönlich erfolgreichen und gesellschaftlich verantwortlichen Konsum", Kapitel III, Bonn 2008.