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12.6.2009 | Von:
Frank Bertsch
Werner Just

Die Suche der Verbraucher nach verantwortlichen Kreditinstituten

Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der privaten Haushalte

Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Verbraucher hängt nicht allein von deren Einkommen ab. Sie basiert auf der Verfügung über drei Gruppen von Ressourcen: der humanen (Zeitbudgets und Kompetenzen), materiellen (Geldeinkommen und Realeinkommen) und sozialen Ressourcen (den Angeboten und der Nutzung komplementärer Infrastrukturen).[4] Es sind die humanen Kompetenzen, welche die anderen Ressourcen erschließen. Die Kombination der Ressourcen generiert Nutzen stiftende Leistungen im Zuge der Alltagsbewältigung. Bei einem gegebenen Set an Ressourcen entscheidet die Zweckmäßigkeit und Nachhaltigkeit der Kombination über das Niveau der Leistungserbringung und das Maß an Bedarfsdeckung. Ressourcenstruktur und -kombination eines Haushalts liefern auch Indikatoren für dessen Kreditwürdigkeit.

"Lebenslageindikatoren" (wie Bildung, Gesundheit, Erwerbsbeteiligung, Wohnverhältnisse, die Nutzung sozialer und kultureller Netzwerke, die gesellschaftliche und politische Partizipation) können die Beurteilung der Kreditwürdigkeit eines Haushalts ergänzen.[5] Lebensverläufe werden nicht selten von "kritischen Lebensereignissen" begleitet. Krisensituationen, in die Menschen geraten (etwa bei der Geburt eines Kindes, durch Arbeitslosigkeit oder infolge der Trennung von einem Partner, die zur Teilung eines Haushalts führt), sind häufig der Anlass für eine Kreditaufnahme. Die Theorie der "kritischen Lebensereignisse" erlaubt es, neben der Einordnung der Ereignisse die Chancen für deren Bewältigung zu beurteilen.[6] Die Beurteilung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines Haushalts setzt Wissen über die Gesamtsituation des Haushalts voraus: über den Set und die Kombination der Ressourcen, Lebenslagendimensionen, das sozioökonomische Verhaltensrepertoire der Mitglieder (auch deren protektive Resilienz) und das Krisenmanagement des Haushalts bei gegebenen Herausforderungen.

Auf eine sorgfältige Analyse ihrer Leistungsfähigkeit haben Haushalte als eigenständige Wirtschaftssubjekte und Marktpartner einen originären Anspruch. Es ist nicht einzusehen, dass diese erst im Überschuldungsfall durch die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung vorgenommen wird - und nicht schon bei der Kreditvergabe durch die Kreditinstitute. Auf der Grundlage einer haushaltsbezogenen Bonitätsprüfung könnte eine für den einzelnen Haushalt zutreffende Kreditberatung bei der Kreditvergabe (responsible lending) erfolgen.

Fußnoten

4.
Vgl. Michael-Burkhard Piorkowsky, Verarmungsgründe und Armutsprävention bei Privathaushalten, Bonn 2000.
5.
Vgl. Frank Schulz-Nieswandt/Clarissa Kurscheid, Die Schuld an der Schuld - Zur Überschuldung privater Haushalte, Hamburg 2007, S. 51,79, 80, 83, 85.
6.
Vgl. ebd., S. 53 - 55. Die Autoren weisen darauf hin, dass Gerhard Reiter zwischen Krisenschuldnern, Armutsschuldnern, Anspruchsschuldnern und Defizitschuldnern unterscheidet. Krisenschuldner bilden den häufigsten Typus.