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5.6.2009 | Von:
Heike Delitz

Architektur + Soziologie = Architektursoziologie

Was die Architektur vermag ...

... das hat, soviel ich weiß, noch niemand festgestellt".[20] So könnte man es mit Spinoza trotz der veritablen Klassiker sagen. Denn diese haben implizite Architektursoziologien entfaltet, die ohne begriffliche Klärungen auskommen. Spinoza hatte im 17. Jahrhundert konstatiert, es habe noch niemand genau erkundet, was der menschliche Körper allein vermag, welcher aktive Anteil dem Körper im Zusammenspiel mit dem "Geist" zukomme, auf welche Weise er andere Körper affiziere und von ihnen selbst affiziert werde. Für Spinoza ist etwa die Frage offen, ob der Körper Kirchen bauen kann: Es hat eben noch niemand systematisch festgestellt, woher die Energien kommen, was genau die antreibende Kraft ist. Bisher hat auch noch keine Soziologie systematisch festgestellt, was die Architektur hinsichtlich des Sozialen vermag: welche Motivationen, Einteilungen, Hierarchien, Gesellschaften mit ihr eher geschaffen als nur noch ausgedrückt werden. Das ist die Aufgabe der aktuell sich entfaltenden Architektursoziologie, auf deren Fallstudien man gespannt sein darf - ebenso wie man gespannt sein darf, worauf die Architektur demnächst kommt.

Fußnoten

20.
Baruch de Spinoza, Die Ethik (1677), Hamburg 1999, III, Vorwort; Ein Theorievorschlag vgl. Heike Delitz, Architektur als Medium des Sozialen, Diss. TU Dresden 2009.