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2.3.2009 | Von:
Patricia F. Zeckert

Die Internationale Leipziger Buchmesse

Nach dem "Leseland"

Nach der Wiedervereinigung war auch die Buchmesse von der allgemeinen Neuordnung der Märkte betroffen. Während sie in der DDR die Funktion einer Ordermesse für den Buchhandel erfüllte, blieben die Sortimenter Anfang der 1990er Jahre fern, worüber die ausstellenden Verlage klagten. Im Börsenblatt kann man ihre Unzufriedenheit über die Messe nachlesen, deren wirtschaftlicher Erfolg "eine totale Katastrophe" gewesen sei.[25] Damit war die Diskussion um die Messeplätze Frankfurt am Main versus Leipzig entbrannt, wobei viele der Pleiße-Veranstaltung keine Chance gaben und eine zweite deutsche Buchmesse als überflüssig erachteten. Dringend forderte man ein tragfähiges Konzept.

Unter der finanziellen Federführung durch Club Bertelsmann hoben die Messemacher 1992 "Leipzig liest" aus der Taufe, was der Auftakt war für den noch heute mit der Buchmesse assoziierten intensiven Verlag/Autor-Leser-Kontakt. Daneben sollte sich das Leipziger Profil am Ende eines schwierigen Abgrenzungsprozesses gegenüber Frankfurt durch die folgenden Komponenten auszeichnen: der Termin als fester Buchhandels- und Branchentreffpunkt im Frühjahr, Brückenschlag nach Osteuropa, außerdem Wissenstransfer durch Fachtagungen. Dies alles setzte die 1991 gegründete Leipziger Messe GmbH in eigener Regie um. Der Börsenverein beschränkte sich per Vertrag 1994 in Leipzig allein auf eine ideelle Trägerschaft, im Gegensatz zur Frankfurter Messe, die er ausrichtet. Damit ersparte sich die Buchmesse im Osten langfristig einen möglicherweise komplizierten Interessenausgleich.

Erneut prophezeiten die Verlage den Messetod, als die Organisatoren 1997 den Umzug in die modernen Hallen des Neuen Messegeländes im Norden der Stadt ankündigten. Wieder dokumentiert ein Blick in das Börsenblatt die mehrheitliche Skepsis der Verlage: Sie wollten eine Verlegung nicht mittragen, weil sie mittlerweile das intime Ambiente des Messehauses am Markt und vor allem die praktische Innenstadtlage überaus schätzten. Doch erneut ging alles gut, die Verlage ließen sich überzeugen und die Buchmesse konnte in den Folgejahren expandieren, bis sie 2005 erstmals schwarze Zahlen schrieb. Mittlerweile kommen über 2000 Aussteller aus knapp 40 Ländern nach Leipzig und belegen mehr als 60 000 Quadratmeter Hallenfläche. Über die Jahre wandelte sich dabei der Charakter. Heute schätzen die Verlage Leipzig als wirksame Publikumsmesse. Indes, für die Besucher ist das Fiebern auf das Begehrte, das Risiko und der Reiz der Vielfalt weitgehend verschwunden.

Fußnoten

25.
Dialog zum Messeplatz, in: Börsenblatt Nr. 42 vom 28.5. 1991, S. 1850.