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17.2.2009 | Von:
Jürgen Wilke

Die zweite Säule des "dualen Systems": Privater Rundfunk

Historische Spuren

Die Versuche, den Rundfunk "an alle" privatwirtschaftlich zu betreiben, sind in Deutschland fast so alt, wie dieses Medium selbst.[1] Schon in seinen Anfängen in der Weimarer Republik gab es entsprechende Initiativen zunächst von Firmen der Elektroindustrie. Doch kamen diese nicht zum Zuge, weil Hans Bredow (1879-1959), der "Vater" des deutschen Rundfunks, dieses Übertragungsmittel unter der Ägide der staatlichen Post organisieren und es nicht irgendwelchen Einzelinteressen ausliefern wollte. Da der Staat allerdings die Programme nicht finanzieren konnte, wurden private Kapitalgeber an den neun regionalen Sendegesellschaften beteiligt, die 1923/24 gegründet wurden und ihren Sendebetrieb aufnahmen. Nur in einem Fall, und zwar bei der Mitteldeutschen Rundfunk AG (Mirag, Leipzig), beteiligte sich damals auch der örtliche Zeitungsverleger. Auch nach Gründung der Reichsrundfunkgesellschaft (RRG) als Dachorganisation behielt die Deutsche Post die Mehrheit der Gesellschafteranteile.

Obwohl die Sendegesellschaften Lizenzen für zehn Jahre erhalten hatten, kam es schon 1932, in der sich zuspitzenden politischen Krise der Weimarer Republik, zu einer "Rundfunkreform", die praktisch eine totale Verstaatlichung dieses Mediums bedeutete. Die privaten Kapitalgeber wurden enteignet. So fiel es den Nationalsozialisten nicht schwer, den Rundfunk nach der "Machtergreifung" 1933 zu übernehmen und zu einem Instrument ihrer Propaganda zu machen.

Fußnoten

1.
Vgl. Winfried B. Lerg, Rundfunkpolitik in der Weimarer Republik, München 1980.