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17.2.2009 | Von:
Jürgen Wilke

Die zweite Säule des "dualen Systems": Privater Rundfunk

Wirtschaftliche Strukturen des privaten Rundfunks

Ungleichartig haben sich die wirtschaftlichen Strukturen des Privatrundfunks in Deutschland entwickelt. Die privaten Radiosender sind zu großen Teilen eine Domäne der Presseverlage. Der Finanzierungsbedarf ist hier begrenzt. Anders ist dies bei TV-Vollprogrammen. RTL ist Bestandteil der RTL-Group, eines international agierenden Konsortiums, dessen Hauptanteilseigner die Bertelsmann AG ist. Sie hat ihre Anteile in den vergangenen Jahren auf 90 Prozent erhöht und strebt eine völlige Übernahme an. Ihr gehören auch Anteile an RTL II (35,9 %), Super RTL (50 %) und Vox (99,7 %).

Anders verlief die Entwicklung bei der zweiten großen Senderfamilie, der Pro Sieben Sat.1 Media AG. Leo Kirch, der wichtigste Inhaber, musste 2002 Insolvenz anmelden - unter anderem, weil er sich im Digitalfernsehen verkalkuliert hatte. Seine Anteile übernahm 2003 der amerikanisch-israelische Medienunternehmer Haim Saban, der diese (nach einem erheblichen Gewinnsprung) seinerseits 2005 wieder zum Kauf anbot. Eine Übernahme durch den Axel Springer Verlag, der bis dahin schon zwölf Prozent der Stamm- und Vorzugsaktien von Sat.1 besaß, scheiterte an Einwänden des Bundeskartellamts. Dieses konstatierte die Gefahr einer marktbeherrschenden Stellung. Gleichermaßen argumentierte die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK), wobei sie in fragwürdiger Weise Marktanteile im Rundfunk und in der Presse zusammenrechnete. Als Käufer von Pro Sieben Sat.1 kamen daraufhin die Finanzinvestoren Permira und KKR zum Zuge. 2007/08 geriet das Unternehmen wegen hoher Dividenden, die trotz Gewinneinbruchs aufgrund sinkender Marktanteile abgezweigt wurden, in wirtschaftliche Nöte. Die Investoren betrieben einen Sparkurs und Personalabbau, außerdem verschuldeten sie das Unternehmen durch den Kauf der paneuropäischen Sendergruppe SBS. Damit sollte eine Position, wie RTL sie besitzt, erreicht werden. Ein Umzug des Senders von Berlin nach München 2008 diente ebenfalls der Kostenersparnis, drohte aber den Substanzverlust des Senders zu vergrößern. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" sprach in ihrem Rückblick auf das Medienjahr 2008 davon, Sat.1 müsse "im Grunde genommen neu gegründet werden".[9]

Fußnoten

9.
Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 31. 12. 2008.