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17.2.2009 | Von:
Jens Lucht

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in der Demokratie

TV-Angebot

Udo Michael Krüger und Thomas Zapf-Schramm haben für die Jahre 2004 und 2006 die Vollprogramme von ARD und ZDF, sowie RTL, Sat.1 und Pro Sieben untersucht.[12] Ihre Studie belegt, dass das Informationsangebot (Nachrichten-, Magazin- und Dokumentationssendungen, Sendungen mit beratendem oder informatorischem Inhalt) in der Gesamtsendezeit bei ARD und ZDF am höchsten ist (2004: 41,7 %; 2006: 41,8 % bzw. 48,8 % und 47,8 %). Die privaten Anbieter liegen hier mit einem Anteil von 16 bis etwa 30 Prozent Informationsanteil deutlich zurück. Es wird eine Entwicklung dahingehend deutlich, dass auch private Veranstalter - im Gegensatz zu ihrer Anfangszeit - den Markt "Information" entdeckt haben, aber eine andere Form von Information anbieten: Die Informationen aus den zentralen Handlungsfeldern einer Gesellschaft (Politik, Wirtschaft) werden ganz überwiegend von den öffentlich-rechtlichen Sendern zur Verfügung gestellt. Auch Informationen aus den gesellschaftlichen Teilbereichen Kultur, Wissenschaft und Religion finden überwiegend in den öffentlich-rechtlichen Vollprogrammen Beachtung. Die Programme der Privaten haben hier nur eine ergänzende Funktion vgl. Tabelle in der PDF-Version.

Dieses Bild ist noch eindeutiger, wenn man das Gesamtprogramm der öffentlichen-rechtlichen Anbieter einschließlich der Regionalprogramme (Dritte Programme) und der politischen und kulturellen Spartensender (Phoenix, 3sat, ARTE) mit dem privaten Gesamtangebot vergleicht.[13] Diese und andere Studien[14] zeigen auch, dass die Konvergenzthese, die von einer Nivellierung von Programminhalten und -formaten zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern ausgeht, nicht haltbar ist.[15] Obwohl die privaten Sender vor allem zur Hauptsendezeit im allgemeinen Informationsbereich zugelegt haben, finden sich auch 25 Jahre nach Einführung der Dualisierung gerade im Bereich der "klassischen" Informationsvermittlung strukturelle Unterschiede zwischen den verschiedenen Veranstaltern, sowohl im Inhalt, als auch in der Präsentation.

Fußnoten

12.
Vgl. Udo Michael Krüger/Thomas Zapf-Schramm, Sparten, Sendungsformen und Inhalte im deutschen Fernsehangebot 2006, in: Media Perspektiven, (2007) 4, S. 166-186.
13.
Vgl. ausführlich J. Lucht (Anm. 2), S. 219-270.
14.
Vgl. z.B. die von der Bertelsmann-Stiftung in Auftrag gegebene Studie von Tibor Kliment/Wolfram Brunner, Fernsehen in Deutschland. Angebotsprofile und Nutzungsmuster im dualen Rundfunksystem, in: I. Hamm (Anm. 2), S. 231-322.
15.
Vgl. Heribert Schatz, Rundfunkentwicklung im dualen System: die Konvergenzthese, in: Otfried Jarren (Hrsg.), Politische Kommunikation in Hörfunk und Fernsehen. Elektronische Medien in der Bundesrepublik Deutschland, Opladen 1994, S. 67f.