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17.2.2009 | Von:
Jens Lucht

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in der Demokratie

Fernsehnutzung

Generell werden die angebotenen Informationssendungen weiterhin viel gesehen. Es konnte hier sogar - bei stagnierender Fernsehnutzung insgesamt - eine leichte Steigerung festgestellt werden. Die durchschnittliche Nutzung öffentlich-rechtlicher Informationsangebote stieg von 2002 zu 2005 um zwei Minuten auf 43 Minuten täglich. Auch die Nutzung privater Angebote stieg an, von 18 auf 23 Minuten täglich.[16]

Der Frage, welche politischen Informationssendungen von den Rezipienten bevorzugt werden, bin ich mit Linards Udris in einer gemeinsamen Studie nachgegangen.[17] Dabei haben wir die 30 meist gesehenen periodisch ausgestrahlten Informationsendungen mit überwiegend politischem und/oder wirtschaftlichem Inhalt (Daten von 2005) in drei Kategorien eingeteilt: in "Hard News" (überwiegend Berichterstattung über Politik und Wirtschaft), "Vermischtes" (politische und wirtschaftliche Inhalte in gleichem Umfang wie Inhalte aus den Bereichen Kultur, Wissenschaft, Religion etc.) und "Soft-News" (Fokus auf Prominenz und Privatsphäre der Akteure, stark emotionalisierende Darstellung politischer und wirtschaftlicher Vorgänge).

Im Ergebnis zeigt sich, dass im "Hard News"-Bereich ausschließlich Sendungen der öffentlich-rechtlichen Anstalten zu finden waren (z.B. "Tagesschau" oder "Plusminus"). Erst im Bereich "Vermischtes" tauchen Informationssendungen der privaten Veranstalter auf (z.B. "RTL-Nachtjournal" oder "Spiegel-TV"), wobei dieser Bereich noch von den Öffentlich-Rechtlichen dominiert wird. Im "Soft-News"-Bereich sind nur Sendungen privater Veranstalter zu finden (z.B. "Akte 04").

Fußnoten

16.
Vgl. Camille Zubayr/Heinz Gerhard, Tendenzen im Zuschauerverhalten. Fernsehgewohnheiten und Fernsehreichweiten im Jahr 2005, in: Media Perspektiven, (2006) 3, S. 132.
17.
Die Studie wurde am Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich (fög) durchgeführt. Vgl. Linards Udris/Jens Lucht, Öffentliche Kommunikation im Umbruch? Wandel der Medienstrukturen und Medieninhalte in ländervergleichender und diachroner Perspektive, in: Relation. Beiträge zur vergleichenden Kommunikationsforschung, (2009) i.E.