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17.2.2009 | Von:
Jens Lucht

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in der Demokratie

Ausblick

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts heißen die Schlagwörter im Rundfunkbereich Digitalisierung und (technische) Konvergenz. In Folge der Digitalisierung wird die Zahl der Programme, Texte und Titel noch stärker steigen, das Programmangebot wird sich deutlich weiter ausdifferenzieren.[21] Text, Bild, Ton und Video werden zunehmend zu "Multimedia" verschmelzen und alle Inhalte werden sich auf einer Vielzahl von Endgeräten von PC bis Mobiltelefon empfangen lassen. Es entstehen neue Angebote wie IPTV, Video-on-Demand, Near-Video-on-Demand etc.[22] Schon jetzt entzündet sich an den Online-Aktivitäten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks massiver Streit darüber, ob die öffentlich-rechtlichen Anstalten auch im Rahmen dieser neuen medientechnischen Entwicklungen ihre privilegierte Stellung behalten können. Zum einen wird befürchtet, dass die Kostenintensität von technischen Neuerungen dazu führen wird, "dass der öffentliche Rundfunk bei jedem Technologieschub von neuem in finanzielle Schwierigkeiten gerät".[23] Zum anderen wird kritisiert, dass dadurch die Möglichkeiten privater Anbieter (speziell von Zeitungsverlagen) im Internet massiv beeinträchtigt werden.[24]

Es ist heute noch nicht abzuschätzen, wie die neuen Angebote im Einzelnen genutzt und welche Bedeutung sie haben werden. Zwei Dinge scheinen allerdings klar: Erstens werden die TV-Vollprogramme mittelfristig nicht wesentlich an Bedeutung verlieren, wie verschiedene Studien belegen[25] (die Nutzungsdauer des Fernsehens ist 2007 durchschnittlich mehr als viermal höher als die des Internet).[26] Gerade auch an der Tatsache, dass im Internet stark Angebote "klassischer" Fernsehanbieter nachgefragt werden, zeigt sich, dass Nachrichten- und Informationsselektion stark mit Vertrauen und dem Glauben an Professionalität und vor allem Sichtbarkeit des einzelnen Medienanbieters zu tun hat.

Zweitens ist zu bezweifeln, ob die Notwendigkeit der Sicherung von Meinungsvielfalt durch die erwartete Vervielfachung der Programme (sei es als Satellitenempfang oder im Internet) tatsächlich relativiert wird, wie teilweise etwas leichtfertig behauptet wird.[27] Das gleiche Argument wurde bereits zu Beginn der Dualisierung des Rundfunksystems vorgebracht. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass privatwirtschaftlich organisierte Sender nicht zum Qualitätsanstieg in den Fernsehprogrammen und - speziell im Bereich der (politischen) Informationsangebote - auch kaum zur Meinungsvielfalt beigetragen haben.[28] Gerade im Zeitalter einer rasant ansteigenden Anzahl von Medienangeboten und immer unüberschaubarer werdender Online-Angebote, über deren Herkunft, Authentizität und Professionalität kaum etwas bekannt ist, ist es entscheidend, Medienangebote zu haben, die genau dies vermitteln können.

Fußnoten

21.
Vgl. Maria Gerhards/Walter Klingler, Mediennutzung in der Zukunft. Traditionelle Nutzungsmuster und innovative Zielgruppen, in: Media Perspektiven, (2006) 2, S. 80.
22.
Vgl. ausführlich Ulrich Ellinghaus, Rundfunkregulierung im Umbruch?, in: Computer und Recht, (2008) 4, S. 217.
23.
Heinz Bonfadelli/Werner A. Meier/Michael Schanne, Öffentlicher Rundfunk und Kultur. Die SRG zwischen gesellschaftlichem Auftrag und wirtschaftlichem Kalkül, Zürich 1998. Vgl. auch R. Müller-Terpitz (Anm. 3), S. 335.
24.
Vgl. Hubert Burda, Was ist Grundversorgung?, in: Die Zeit vom 22. 11. 2007, S. 39.
25.
Vgl. u.a. Maria Gerhards/Annette Mende, Offliner 2007: Zunehmend distanzierter, aber gelassener Blick aufs Internet, in: Media Perspektiven, (2007) 8; Kommunikationsordnung 2010 - ein Zukunftspapier der Bertelsmann Stiftung, in: www.bertelsmann-stiftung.de (25. 6. 2006).
26.
Mediennutzungszahlen siehe unter: www.ard.de/intern/basisdaten/onlinenutzung/
onlinenutzung_3A_ 20zeiten_20und_20dauer/-/id=55190/1l98aso/index. html (2. 1. 2009).
27.
Vgl. R. Müller-Terpitz (Anm. 3), S. 338.
28.
Vgl. Ulrike Handel, Die Fragmentierung des Medienpublikums. Bestandsaufnahme und empirische Untersuchung eines Phänomens der Mediennutzung und seiner Determinanten, Wiesbaden 2000, S. 142.